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61 Prozent der 31 größten Raubtiere sind in der Roten Liste der bedrohten Arten als gefährdet eingestuft

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Baku, den 11. Januar (AZERTAG). Das Schicksal der großen Raubtiere liegt in der Hand des Menschen: Fast überall auf der Welt sind Löwen, Tiger oder Pumas in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Das habe weitreichende Auswirkungen auf die Ökosysteme insgesamt, etwa auf den Artenreichtum von Vögeln, Säugetieren und Wirbellosen, auf Vegetation, Landwirtschaft und sogar auf den Klimawandel. Darauf weist ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Science“ hin. Um die Ausrottung der großen Raubtiere und die damit einhergehenden Folgen zu verhindern, regen die Wissenschaftler eine globale Initiative zum Schutz der Tiere an.

61 Prozent der 31 größten Raubtiere sind in der Roten Liste der bedrohten Arten als gefährdet eingestuft, schreiben die Forscher um William Ripple von der Oregon State University. Die Populationen von 75 Prozent dieser Arten schrumpften, ebenso wie ihre Lebensräume. Um die Situation konkreter zu erfassen, konzentrierten sich die Forscher auf sieben Großräuber: Löwe, Dingo, Puma, Leopard, Luchs, Wolf und Seeotter. Aus verfügbaren Daten ermittelten sie, wie sich ein Verschwinden der Tiere auf ihre jeweiligen Ökosysteme auswirkt.

Meist seien die Folgen weithin spür- und sichtbar, berichten sie. So seien in Westafrika mit dem Rückgang von Löwen und Leoparden die Bestände der Anubispaviane stark angewachsen. Daraufhin schrumpften die Populationen kleiner Paarhufer und Primaten, die von Pavianen gefressen werden. Außerdem bedrohten Pavian-Horden Farmtiere und machten sich über Feldfrüchte her.

In den Gewässern von Südost-Alaska führte der Rückgang von Seeottern zu einem starken Anstieg der Zahl von Seeigeln, die dann die Kelpwälder abweideten, schreiben die Forscher.

Ähnliches lasse sich beim Verschwinden von Wölfen in vielen Erdregionen beobachten: Die Zahl von Elchen und anderen Hirschen, die viele Pflanzen fressen, steigt infolgedessen an. Der Rückzug der Vegetation wirkt sich wiederum auf Vögel oder kleinere Säugetiere in dem Ökosystem aus.

Zumindest in einigen Fällen seien die Veränderungen umkehrbar, berichten die Forscher. Im Yellowstone-Nationalpark hätten sich einige Bereiche nach der Wiedereinführung der Wölfe rasch erholt. „Ich bin beeindruckt, wie widerstandsfähig das Yellowstone-Ökosystem ist“, kommentiert Ripple. „Es passiert nicht überall schnell, aber an einigen Stellen hat der Erholungsprozesse begonnen.“

Neben dem Klimawandel sei das Verschwinden der großen Raubtiere einer der bedeutendsten Einflüsse des Menschen auf die Natur – allerdings ohne vergleichbare Beachtung der Öffentlichkeit zu finden. Daher schlagen die Forscher eine globale Initiative zum Schutz der Tiere vor. Ein Ziel davon sei, Akzeptanz und Toleranz der Menschen für die großen Raubtiere zu gewinnen.

„Wir sagen, dass diese Tiere ein Recht haben zu leben, aber sie haben auch einen ökonomischen und ökologischen Wert, den Menschen schätzen“, betont Ripple. Allein dem Yellowstone-Nationalpark bringe der Wolf-Tourismus jährlich 22 bis 48 Millionen US-Dollar, betonen die Wissenschaftler.

Selbst auf den Klimawandel hätten große Raubtiere in einigen Ökosystemen positiven Einfluss: Sie halten Pflanzenfresser in Schach, so dass die Vegetation besser gedeihen und Kohlendioxid einlagern kann.

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