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Apple bietet Milliarden für Dr. Dres Kopfhörer-Firma

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Baku, den 9. Mai (AZERTAG). Die IT-Branche steht offenbar kurz vor einem großen Deal. Apple bietet 3,2 Milliarden für den Musikspezialisten Beats. Experten sehen die Offerte skeptisch - obwohl der iPhone-Bauer in einen lukrativen Zukunftsmarkt drängen würde.

Apple plant offenbar eine Mega-Übernahme. Der iPhone-Hersteller verhandelt mehreren Zeitungs- und Agenturberichten zufolge über den Kauf des Musikspezialisten Beats. Das von Hip-Hop-Star Dr. Dre und Musikveteran Jimmy Iovine gegründete Unternehmen ist für seine Kopfhörer mit dem markanten roten „b“ bekannt.

Die Übernahme könnte bereits kommende Woche verkündet werden, schrieb die „Financial Times“ unter Berufung auf Insider. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, der Deal stehe kurz vor dem Abschluss. Laut „Wall Street Journal“ könnte Iovine bei Apple künftig eine hochrangige Managementposition bekleiden. Apple und Beats äußerten sich nicht zu den Berichten.

Bieten will Apple den Berichten zufolge etwa 3,2 Milliarden Dollar. Es wäre ein stolzer Preis. Die Firma Beats machte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 1,2 Milliarden Dollar Umsatz.

Analysten sehen den möglichen Deal skeptisch. Zwar kosten die Kopfhörer von Beats mehrere hundert Dollar das Stück - werden aber von Experten oft als basslastig bewertet und gelten nicht als das beste Highend-Produkt am Markt. Die Marke Apple indes habe bislang stets dafür gestanden, das Beste vom Besten anzubieten, moniert Brancheninsider Jay Yarow im „Business Insider“.

Kampf um den Streaming-Markt - Die meisten Marktbeobachter vermuten hinter der Offerte ohnehin ein anderes Motiv: So verkauft das US-Unternehmen Beats neben Kopfhörern seit kurzem Musik in Form eines Streaming-Dienstes - dem nächsten potenziellen Boom-Markt der Musikindustrie, in dem Apple bisher kaum Fuß fassen konnte. Zwar bietet Apples hauseigene Musikplattform iTunes seit längerem einen eigenen Streaming-Dienst an, liegt jedoch weit hinter den Branchenführern Spotify und Pandora zurück. Die Konkurrenz von Google Chart zeigen und Amazon Chart zeigen drängt gerüchteweise ebenfalls in diesen Markt.

Für Apple ist es eine ungewohnte Situation. Das Unternehmen, das mit seinen Produkten regelmäßig ganze Märkte revolutionierte, müsse dieses Mal selbst eine milliardenteure Übernahme tätigen, um mit der neuesten Branchenrevolution Schritt halten zu können, schreibt das „Wall Street Journal“. Und das ausgerechnet beim Dienst iTunes - der bei seiner Einführung im Jahr 2003 erstmals den bequemen Kauf einzelner Songs in Digitalform für 99 Cent das Stück ermöglichte und damit den CD-Markt obsolet machte. Nun sei der Zerstörer von einst selbst zerstört, schreibt das „Wall Street Journal“.

Ob der Zukauf von Beats jedoch wirklich ein Befreiungsschlag ist, darüber streiten Experten nun. Einerseits gewinnt Apple mit Iovine einen genialen Selbstvermarkter mit weitreichenden Kontakten in die Musikindustrie. Andererseits gilt auch der Streaming-Dienst von Beats gegenüber Spotify und Co. als qualitativ unterlegen.

Bisher war Beats Partner des taiwanesischen Smartphone-Herstellers und Apple-Konkurrenten HTC. Erst im September vergangenen Jahres hatte sich HTC komplett bei Beats zurückgezogen. Der Grund: Die Hoffnungen des Unternehmens auf einen Verkaufserfolg insbesondere bei jüngeren Nutzern hatten sich nicht erfüllt. Den Platz von HTC übernahm damals der Finanzinvestor Carlyle - dem bei einer Apple-Übernahme ein gewaltiger Geldsegen ins Haus stünde.

Der Kauf von Beats wäre für Apple der größte Zukauf in seiner Unternehmensgeschichte. Der kalifornische Elektronikkonzern hat seit mindestens einer Dekade keine Übernahme mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar getätigt. Der größte bisher war der Zukauf der Software-Firma NeXT im Jahr 1997 - durch den der inzwischen an Krebs verstorbene Branchenpionier Steve Jobs zu Apple zurückkehrte.

 

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