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Argentinien ist offiziell zahlungsunfähig

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Baku, den 31. Juli (AZERTAG). Argentinien ist offiziell zahlungsunfähig. Was bedeutet das für das Land, das dringend Geld braucht? Welche Auswirkungen hat der Zahlungsausfall auf Europa? Und kassieren jetzt die Spekulanten ab? Das Wichtigste zu den gescheiterten Verhandlungen.

Die Verhandlungen in letzter Minute haben nichts gebracht. Argentinien hat sich mit seinen hartnäckigsten Gläubigern nicht einigen können, die Gnadenfrist für eine Zinszahlung ist abgelaufen. Die größte Ratingagentur hat die Kreditwürdigkeit des Landes auf die zweitniedrigste Stufe herabgesetzt. Von „Geiern“ spricht die Regierung, Geier, die das Land ausnehmen wollten. Die klagenden Hedgefonds bestehen dagegen darauf: Sie würden um ihr Recht - und ihre Rendite - gebracht.

Nein. Argentinien hat ein bestimmtes Anleihenpaket nicht fristgerecht bedient, das Land erfüllt aber alle anderen finanziellen Verpflichtungen weiter. Die Ratingagentur Standard & Poor's wertet den Vorfall als „teilweisen Zahlungsausfall“. Gleichwohl ist die Lage ernst. Investoren sind die Einzelheiten des Rechtsstreits mit Hedgefonds einerlei, die diesen Zahlungsausfall provoziert haben. Sie wollen sich darauf verlassen können, dass ihre Kredite auch künftig bedient werden. Durch das schlechtere Rating trägt Argentinien nun das Stigma, Zahlungsverprechen nicht zu erfüllen. Es geht um 539 Millionen Dollar, die Argentinien eigentlich zur Zahlung bereitgestellt hatte. Doch ein US-Gericht urteilte, dass diese Gelder nicht freigegeben werden dürfen - es sei denn, Argentinien bediene auch die Schulden der beiden Hedgefonds. Das möchte Argentinien nicht, weil dadurch zusätzliche Forderungen entstehen.

Die Hauptlast des Zahlungsausfalls trägt Argentinien. Künftige Staatskredite werden teurer, die Regierung hat weniger Geld - und muss eventuell harte Sparprogramme durchsetzen. Die globalen Finanzmärkte sind davon vorerst unbeeindruckt. Die Lage in der Ukraine und der Konflikt der USA und Europas mit Russland bergen größere Risiken.

Es gibt weltweit einen riesigen Markt für Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS). In den vergangenen Monaten haben Investoren solche Versicherungen gekauft. Diese springen ein, wenn Argentinien die Anleihen nicht bedient. Die Investoren spekulierten also auf den Zahlungsausfall des Landes. Der Wert dieser Versicherungen ist zuletzt exorbitant gestiegen, die Policen sind die teuersten der Welt. Wer die Policen jetzt verkauft, macht hohen Profit. Die CDS werden nun aber nicht automatisch ausbezahlt. Denn ob argentinische Anleihen juristisch gesehen wirklich geplatzt sind, entscheidet die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) auf Antrag von Investoren. Sie könnte auch entscheiden, dass die Spekulanten und andere CDS-Käufer kein Geld sehen. Schließlich dürfte Argentinien weiter um eine Lösung verhandeln. Die Regierung will ja bald wieder als zahlungsfähig gelten. 

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