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Argentinien ist seit 28 Jahren ohne WM-Titel, die Sehnsucht ist riesig

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Baku, den 12. Juli (AZERTAG). Der Weg ins Endspiel gegen Deutschland war holprig, aber folgerichtig. Das Team hat die Balance aus Herz und Vernunft gefunden. Die Geschichte Argentiniens bei dieser WM erzählt am besten Javier Mascherano. Aus „El Jefecito“ ist längst „El Jefe“ geworden oder sogar „El Jefazo“ – der große Chef. Mascherano war es, der sich vor dem Elfmeterschießen gegen die Niederlande den Torwart Sergio Romero schnappte und ihm unmissverständlich einschärfte: „Du isst heute die Welt auf, du wirst der Held sein. „Mascherano ist derjenige, der kommandiert. Und der nach dem Spiel allen erklärt, wie diese Mannschaft tickt und fühlt.

Nach überstandenem Halbfinale sprach der Mittelfeldmann von „Stolz, der die Seele berührt“, und von der folgenden Chance als dem "Spiel unseres Lebens". Eine riesige argentinische Kolonne ist seit Donnerstag auf dem Weg von Sao Paulo, dem Ort des Finaleinzugs, nach Rio de Janeiro, dem Ort des Finals. Weitere Anhänger werden von weiter südlich aus der Heimat dazustoßen. Erinnerungen an das erste WM-Wochenende werden wach, als bis zu 100.000 Fans die Stadt in hellblau und weiß kleideten. Argentinien begann seine WM gegen Bosnien an einem Sonntag im Maracana. Es wird seine WM an einem Sonntag im Maracana beenden.

Der Glaube an die Vorsehung und die Euphorie in der Mannschaft treffen auf ein Deutschland, das seine spielerische Überlegenheit mit derselben Coolness auf den Platz bringen will wie zuletzt gegen Brasilien. Ein faszinierender Gegensatz, den der unterschiedliche Dramafaktor der jeweiligen Halbfinals weiter akzentuierte und der auch an den Äußerungen im Vorfeld abzulesen ist. „Wir haben noch nichts erreicht“, sagt Manuel Neuer. „Wir waren uns und unseren Leuten diese Freude schuldig“, sagt Maxi Rodriguez. Favorit und Außenseiter, die Selbstverpflichtung zum Titel gegen das Gefühl, die Erwartungen in jedem Fall schon erfüllt zu haben.

Auch die Eigenen, wie Rodriguez präzisierte: „Das Wichtigste war, die Hürde des Viertelfinals zu überspringen.“ Spätestens an der war Argentinien in den fünf Weltturnieren zuvor gescheitert, „die Älteren von uns kamen mit viel Wut“. Chef Mascherano soll diese nachhaltig auf den Punkt gebracht haben, als er vor dem Viertelfinale gegen Belgien durch die Kabine rief: „Ich habe genug davon, auf die Fresse zu kriegen. Für mich, für die Ex-Spieler, für uns – wir müssen diese Hürde überwinden. Vamos!“

Vor vier Jahren war es im Viertelfinale ja Deutschland, das sich als zu hohe Barriere erwies. Das 4:0 von Kapstadt weist insofern Parallelen zum 7:1 gegen die Brasilianer auf, als keine andere Mannschaft der Welt taktische Schwächen der Gegner derart brutal zu bestrafen versteht wie die Löw-Elf. Jeder weitere Vergleich würde den Argentiniern sicher Unrecht tun – das 2:0 fiel erst Mitte der zweiten Halbzeit –, aber auch ihnen fehlte damals die Balance.

Mascherano musste allein die Lücken eines in Abwehr und Angriff zerbrochenen Teams füllen. Und so war es schon ganz interessant, den damaligen Trainer Diego Maradona am Donnerstag in seiner TV-Sendung „De zurda“ taktische Ratschläge an Nach-Nachfolger Alejandro Sabella geben zu hören: „Man muss das Passspiel der Deutschen stören und sie im Mittelfeld unter Druck setzen.“

 

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