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Argentinien sorgt sich um Präsidentin Kirchner

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Baku, den 8. Oktober (AZERTAG). Mitten im Wahlkampf muss die argentinische Präsidentin eine Zwangspause einlegen. Cristina Kirchner wird wegen einer Hirnhautblutung notoperiert. Immer wieder hatte sie gesundheitliche Probleme.

Der offizielle Kalender von Cristina Fernández de Kirchner bleibt am Dienstag leer. „Keine öffentlichen Auftritte vorgesehen“, verkündet der Präsidentenpalast Casa Rosada. Dabei steht ein wichtiger Termin an. Die Staatschefin wird wegen eines Blutergusses unter der Hirnhaut notoperiert.

Neue Untersuchungen hätten die Ärzte davon überzeugt, dass sich Kirchner, 60, dringend einem Eingriff unterziehen müsse, teilte das Krankenhaus Fundación Favaloro am Montag mit.

Aus offiziellen Erklärungen geht hervor, dass Kirchner am 12. August, einen Tag nach einer schweren Schlappe bei den argentinischen Vorwahlen, eine Schädelverletzung erlitten habe. Die Ärzte hätten ihr 30 Tage Ruhe verordnet. Doch dann habe die Präsidentin über ein Taubheitsgefühl und schwere Kopfschmerzen geklagt, bei Untersuchungen sei ein Blutgerinnsel festgestellt worden. Die Mediziner betonen, der Eingriff sei notwendig, aber wenig riskant.

Doch Argentinien ist besorgt. Auf Fotos sieht die sonst so auf ihr Äußeres bedachte Kirchner mitgenommen und krank aus. Seit längerem leidet die Präsidentin unter gesundheitlichen Problemen, fiel in den vergangenen Jahren immer wieder einige Tage aus. Im Januar 2012 musste sie wegen des Verdachts auf einen Tumor operiert werden, der stellte sich jedoch als gutartiges Geschwür heraus.

Mitten im Wahlkampf muss die Präsidentin jetzt erneut eine Zwangspause einlegen, in knapp drei Wochen werden Teile des Parlaments neu gewählt. Kirchner gilt als arrogant, aber auch als engagierte Wahlkämpferin. Dennoch hatte sie bei Vorwahlen eine schwere Niederlage erlitten. Umfragen zufolge könnte Kirchners Partei auch am 27. Oktober verlieren.

Witwe im Präsidentenpalast - Rivalen sehen bereits das Ende der „Ära K“ gekommen. Diese begann mit Néstor Kirchner, der seit 2003 regierte und den Argentiniern nach der Staatspleite 2001/2002 ihr Selbstbewusstsein wiedergab. Die Wirtschaft wuchs. 2007 übernahm seine Frau. Cristina Kirchner wurde zur Präsidentin gewählt. Der plötzliche Tod ihres Mannes im Oktober 2010 erschütterte das Land, die Witwe im Präsidentenpalast trägt seither schwarz. Von einer Welle der Sympathie getragen, wurde sie ein Jahr später wiedergewählt.

Doch seither ist Kirchner unter Druck geraten. Immer größer wird der Ärger über die Inflation, es gibt Proteste gegen Korruption und die wachsende Kriminalität. Vor vier Monaten kippte das Oberste Gericht einen zentralen Teil der umstrittenen Justizreform. Immer erbitterter wird zudem Kirchners Streit mit Privatmedien wie dem „Clarín“-Konzern. Kritiker sehen in ihrem Mediengesetz einen Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken.

Die politischen Kontrahenten halten sich in diesen Tagen zurück. Sie bemängeln zwar die Geheimniskrämerei um ihre Operation - offenbar ist nur der engste Kreis über Details informiert.

Aber sonst wünschen Opposition und Kirchner-kritische Medien gute Genesung und fokussieren sich auf den umstrittenen Vizepräsidenten Amado Boudou. Er vertrat „La Presidenta“ am Montag bei einem offiziellen Termin im Präsidentenpalast und irritierte prompt mit der Aussage, die Präsidentin ruhe sich gerade aus. Die Zeitung „Clarín“ zitierte süffisant Mitarbeiter des Präsidentensitzes, die gesagt hätten: „Jemand muss Boudou sagen, was hier gerade wirklich passiert.“

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