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Argentinien war von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen

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Baku, 14. April, AZERTAC 

15 Jahre lang war Argentinien von den Finanzmärkten verbannt, jetzt hat ein US-Gericht die Sperre aufgehoben. Die Einigung mit Hedgefonds nach jahrelangem Streit machte den Weg frei.

15 Jahre lang war Argentinien von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen, nun kann das Land dort wieder Kredite aufnehmen.

Ein US-Berufungsgericht in New York hat die Aufhebung von einstweiligen Verfügungen bestätigt, die dem Land Zahlungen an bestimmte Gläubiger untersagt und den Zugang zu den Kapitalmärkten versperrt hatten. Die Regierung in Buenos Aires kann nun neue Staatsanleihen ausgeben, um die Rechnungen bei den Hedgefonds zu bezahlen.

Und das will Argentinien umgehend tun. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas werde neue Anleihen über bis zu 15 Milliarden Dollar ausgeben, kündigte Finanzminister Alfonso Prat-Gay an. Anfang kommender Woche werde die Anleihe auf den Weg gebracht, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums.

"Dies ist ein weiterer Schritt zur Normalisierung und zur Entwicklung, die Argentinien verdient hat", sagte Prat-Gay. Nun könne das Land beginnen, an die Zukunft zu denken, Arbeitsplätze zu schaffen und seinen Bürgern Wohlstand zu bieten. Allerdings wird ein großer Teil der neuen Schulden für die Rückzahlung alter Kredite benötigt.

Frist bis diesen Donnerstag - Hintergrund der Blockade Argentiniens ist ein Streit mit US-Hedgefonds infolge der Staatspleite von Ende 2001. Die Fonds hatten damals Abschläge bei der Rückzahlung von Staatspapieren nicht akzeptiert, anders als 93 Prozent der restlichen Gläubiger. Ein US-Richter schlug sich auf ihre Seite und untersagte Argentinien, neues Geld bei Investoren einzusammeln und andere Gläubiger zu bedienen, solange die Schulden bei den Hedgefonds nicht bezahlt sind.

Argentinien weigerte sich dennoch über Jahre beharrlich, die von der ehemaligen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner als "Aasgeier" und "Finanzterroristen" bezeichneten Hedgefonds zu bezahlen.

Erst mit dem Regierungswechsel im Dezember 2015 kam wieder Bewegung in den Streit. Der neue Staatschef Mauricio Macri suchte den Kompromiss mit den Hedgefonds. Ende Februar einigten sich die Streitparteien auf einen Vergleich in Höhe von 4,65 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa 75 Prozent der ursprünglichen Forderungen. Zum Vergleich: Gläubiger, die sich an den Umschuldungen der Jahre 2005 und 2010 beteiligten, bekamen im Schnitt weniger als 30 Prozent.

Die Grundsatzeinigung mit den Hedgefonds sieht eigentlich vor, dass Argentinien bis diesen Donnerstag zahlt. Allerdings könnte die Frist dem argentinischen Finanzminister zufolge verlängert werden, als Auszahlungstermin nannte er den Freitag der kommenden Woche.

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