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Ärzte finden Mittel gegen Erdnussallergie

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Baku, den 30. Januar (AZERTAG). Immer mehr Kinder rund um den Globus leiden unter Erdnussallergie. Dabei müssen sie die Peanuts nicht einmal essen, um die lebensbedrohlichen Symptome hervorzurufen – es reichen Spuren davon in anderen Lebensmitteln. Ärzte haben jetzt ein Gegenmittel gefunden.

Ungefähr jedes 50. Kind leidet an Erdnussallergie, die Zahl der Betroffenen steigt beständig. Besonders Kinder in Industriestaaten sind davon betroffen. Erdnüsse sind zudem der häufigste Grund für allergische Reaktionen auf Lebensmittel.

Eine am Addenbrooke's Hospital im britischen Cambridge erstellte experimentelle Studie gibt den Betroffenen neue Hoffnung. Dort gelang es Ärzten nämlich, das Immunsystem der Kinder mit der Einnahme speziellen Erdnussmehls zu stärken.

Behandlungshäufigkeit 70 Prozent der Allergiker sind wegen ihrer Allergie in Behandlung oder waren es zumindest schon einmal. 58 Prozent der Allergiker gaben an, ihre Allergie selbst zu behandeln, etwa durch nicht verschreibungspflichtige Medikamente. – 28 Prozent der Allergiker in ärztlicher Behandlung haben eine Hyposensibilisierung gemacht, 70 Prozent von ihnen waren damit zufrieden.

Lebensqualität 23 Prozent der Allergiker empfinden ihre Allergie als „sehr belastend“, 30 Prozent als „belastend“. 23 Prozent der Allergiker fühlen sich in ihrer Leistungsfähigkeit „stark beeinträchtigt“, 25 Prozent fühlen sich „etwas beeinträchtigt“, wenn ihre Allergie auftritt.

Die Methode ziele darauf ab, die Toleranz der Kinder gegenüber Erdnüssen stufenweise zu erhöhen, sagt der Leiter der Studie, Andrew Clark von der Universität Cambridge. Das Fachjournal "The Lancet“ veröffentlichte die von britischen Gesundheitsbehörden finanzierte Forschungsarbeit auf seiner Internetseite.

99 Kinder unter 16 Jahren, die an schwerer Erdnussallergie litten, nahmen an dem Versuch teil und bekamen mit ihrem Essen einen „Schuss“ des Erdnussmehls verabreicht. Zunächst setzten die Mediziner eine klitzekleine Dosis von zwei Milligramm ein und steigerten die Menge langsam auf zuletzt 800 Milligramm.

Zeitgleich beobachteten sie die Kinder, ob sich lebensbedrohliche Reaktionen einstellten. Die häufigsten Beschwerden, die während der Zeit auftraten, waren Juckreiz im Mund, Magenschmerzen und Übelkeit. Doch nach sechs Monaten der Behandlung konnten mehr als 80 Prozent der jungen Probanden ohne Probleme eine Handvoll Erdnüsse essen.

„Das macht einen dramatischen Unterschied in ihrem Leben“, betont Clark. „Vor der Studie konnten sie nicht einmal kleinste Mengen an Erdnüssen vertragen, und ihre Eltern mussten ständig alle Lebensmittelkennzeichnungen lesen.“

Die Intention der Studie ist nicht etwa, dass die bisherigen Allergiker nun Riesenmengen an Peanuts essen. Vielmehr sollen die lebensgefährlichen Reaktionen vermieden werden, falls Kinder doch einmal aus Versehen Spuren von Erdnüssen in anderen Lebensmitteln zu sich nehmen.

Matthew Greenhawt von der Universität Michigan dämpft in einem begleitenden Kommentar zur Studie allerdings allzu große Erwartungen. Die Ergebnisse seien „außerordentlich vielversprechend“, doch ist die Behandlung seiner Einschätzung nach noch „Jahre von einer routinemäßigen klinischen Anwendung“ entfernt. So sei unter anderem noch unklar, ob die Erdnussmehl-Therapie einen „bleibenden Effekt“ produziere.

Auch Studienleiter Clark nimmt an, dass die Kinder wohl noch mehrere Jahre lang Erdnussmehl einnehmen müssten, um die erzielte Toleranz aufrechtzuerhalten. Ungeachtet dessen hat der Erfolg der Studie ihn und seine Kollegen ermutigt: Sie wollen die Behandlung bald in einer speziellen Klinik für Erdnussallergien anbieten und die Studien fortführen.

 

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