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Äthiopien: Mindestens 100 Tote bei Protesten

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Baku, 9. August, AZERTAC

Bei Demonstrationen gegen die Regierung ist es in Äthiopien zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Amnesty International gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Protestierenden vor - etwa hundert Menschen starben.

In Äthiopien sind Sicherheitskräfte offenbar mit scharfer Munition gegen regierungskritische Demonstranten vorgegangen. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Demnach seien rund hundert Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt worden.

Die genauen Zahlen bleiben jedoch zunächst unklar: Laut einem Oppositionsvertreter starben bis zu 50 Menschen in der Region Oromia, so zitiert ihn die Nachrichtenagentur AFP. Auch ein Diplomat sprach von 49 Todesopfern in der Region im westlichen Zentrum des Landes sowie in Amhara im Norden Äthiopiens. "Die brutale Reaktion der Regierung droht noch mehr Wut auszulösen und es schlimmer zu machen", sagte der Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Tausende Demonstranten hätten politische Reformen gefordert. Bei den Protesten hätten sie sich ebenfalls für die Unabhängigkeit der Justiz starkgemacht.

"Systematische exzessive Gewalt" - Allein in der Stadt Bahir Dar im Norden des Landes seien an einem Tag mindestens 30 Menschen getötet worden. "Die äthiopischen Sicherheitskräfte haben systematische exzessive Gewalt angewendet", sagte eine Menschenrechtlerin. Sie sprach von "Verbrechen" und forderte die Freilassung von Inhaftierten.

Die Proteste in Oromia dauern bereits seit Monaten an. Sie richten sich gegen eine geplante Ausweitung der Stadtgrenzen von Addis Abeba. Die Demonstranten fürchten, dass dies zu einer Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung in der Region führen würde. Äthiopien am Horn von Afrika gilt als einer der ärmsten Länder der Welt. Dort leben etwa 100 Million Menschen.

In Amhara wurden die Proteste auch durch die versuchte Festnahme zweier Lokalpolitiker angefacht. Sie hatten sich gegen eine Regierungsentscheidung zur Zusammenlegung zweier Bezirke gestemmt. Die Protestierenden eint der Unmut über die Regierung, die mehrheitlich der ethnischen Gruppe der Tigray entstammt und der die Demonstranten Diskriminierung vorwerfen.

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