GESELLSCHAFT


Auf Ozeanen schwimmt weniger Plastik als vermutet

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Baku, den 2. Juli (AZERTAG). Auf den Meeren unseres Planeten treibt offenbar weniger Plastikmüll als bislang gedacht. Tausenden weltweit entnommene Wasserproben machen den Forschern trotzdem große Sorgen: Wohin verschwinden die Plastikpartikel?

Zuerst die gute Nachricht: Die Menge der weltweit auf den Ozeanen schwimmenden Plastikabfälle wird offenbar überschätzt. Das ist das Ergebnis aus Tausenden Wasserproben, die während der spanischen Expedition Malaspina 2010 auf Gewässern weltweit entnommen wurden. Die auf der Wasseroberfläche treibende Abfallmenge liege wohl zwischen 7000 und 35.000 Tonnen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Die vergleichsweise niedrigen Zahlen überraschen. Nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Insgesamt könnten sich dort schon 142 Millionen Tonnen Plastikabfall angesammelt haben. Es gibt aber plausible Erklärungen dafür. Nur etwa die Hälfte der Kunststoffreste schwimmt auf der Wasseroberfläche. Und der Großteil der Flaschen, Tüten und sonstigen Plastikabfälle zerfällt nach und nach in immer kleinere Partikel und verschwindet schließlich von der Wasseroberfläche. Der Zerfall in kleinere Teile wird vor allem durch das Sonnenlicht begünstigt.

„Zahlen aus den Siebzigerjahren über die schwimmenden Plastikmengen sind hundertmal größer als unsere aktuellen Schätzungen“, schreiben Andrés Cózar von der Universidad de Cádiz und seine Kollegen. Die Forscher haben auch analysiert, in welchen Partikelgrößen der Kunststoffmüll auftritt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass bei den treibenden Abfällen Partikel dominieren die kleiner sind als ein Zentimeter. Dies bestätigten nun die mehr als 3000 weltweit entnommenen Wasserproben. 88 Prozent der Proben enthielten Kunststoffreste.

Wohin gelangt die Mikroplastik? - Es zeigte sich jedoch, dass die Menge von Partikeln im Millimeter- und Mikrometerbereich geringer war, als die Forscher erwartet hatten. Und dies bereitet den Forschern Sorgen. Die Beobachtung stützt nämlich die Hypothese, dass große Mengen kleiner Plastikmüllsegmente kontinuierlich von der Wasseroberfläche verschwinden. Vier Prozesse könnten dafür verantwortlich sein:

Anspülen an die Küsten - Nanofragmentierung (Zerfall in noch kleinere Partikel)

Biofouling (Partikel werden von Kruste umhüllt und sinken tiefer)

Verschlucken durch Fische und andere Meeresbewohner - Welcher Prozess welche Rolle beim Verschwinden der Mikropartikel hat, wissen die Forscher nicht. Hier sei weitere Forschungsarbeit nötig.

Schon seit Längerem warnen Biologen und Meeresforscher vor den Folgen des treibenden Mülls. Kunststoffe sind extrem beständig und überdauern im Meer Hunderte von Jahren. Besondere Sorge machen den Forschern die Mikropartikel. Bei Fischen sind bereits Leberschäden durch Mikroplastik nachgewiesen worden.

Das Mikroplastik bietet nicht nur eine willkommene Oberfläche für verschiedene fettliebende Giftstoffe, es kann sich auch innerhalb der Nahrungskette anreichern. In einigen Nordsee-Fischen und Langusten wurde bereits Mikroplastik entdeckt. In den Großen Seen Nordamerikas sind die winzigen Kügelchen auch bereits in großen Mengen gefunden worden.

 

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