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Behörden korrigieren Bericht über Kursänderung der verschollenen Boeing MH370

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Baku, den 19. März (AZERTAG). Ausländischen Presseberichten zufolge erklären malaysische Ermittler, die Kursänderung der verschollenen Boeing sei nicht vor der Abmeldung per Funk erfolgt. Inzwischen steht fest, dass vom privaten Flugsimulator des Piloten Daten gelöscht wurden. Die Behörden verfügen auch über neues Radarmaterial. Malaysische Experten dementierten einen Bericht des US-Senders NBC, wonach die Kursänderung der Boeing bereits vor der verbalen Abmeldung der Piloten im Bordcomputer eingegeben worden war. Die zeitliche Abfolge sei falsch, sagte Azharuddin Abdul Rahman, Chef der zivilen Luftfahrtbehörde Malaysias. Allerdings haben die Ermittler auch vergangene Woche mehrfach Medienberichte dementiert, die später bestätigt wurden.

Wahrscheinlich war es Co-Pilot Fariq Abdul Hamid, der sich um 1.19 Uhr mit „Alles klar, gute Nacht“ aus dem Cockpit abmeldete. Die Kursänderung sei mindestens zwölf Minuten vorher im Bordcomputer gewesen, berichtete NBC. Um 1.07 Uhr erfolgte die letzte automatische Datenmeldung des Kommunikationssystems Acars.

Die Boeing mit 239 Menschen an Bord ist seit dem 8. März verschollen. Die Maschine mit der Flugnummer MH370 war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf mehrere Möglichkeiten: Sabotage, Entführung, Terrorakt oder Selbsttötung eines der Piloten.

Vom privaten Flugsimulator des Piloten sind am 3. Februar Daten gelöscht worden. Das sagte der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar. Das Gerät werde weiter untersucht und die Experten versuchten, die gelöschten Informationen wiederherzustellen. Verkehrsminister Hishammuddin Hussein betonte: „Alle Crew-Mitglieder, einschließlich der Piloten, sind unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.“

Chinesische Angehörige und Freunde der Insassen versuchten am Mittwoch laut protestierend, die Pressekonferenz in Kuala Lumpur zu stürmen. Sie verlangten Informationen. Ordner drängten sie ab und brachten sie in einen geschützten Raum.

„Ich kann bestätigen, dass wir neues Radarmaterial haben“, sagte der Verkehrsminister. Aber ich bin nicht befugt, solche Informationen zu veröffentlichen.“ Nach seinen Angaben haben bis auf Russland und die Ukraine alle Länder ihre Landsleute überprüft und keine verdächtigen Merkmale gefunden. Hishammuddin verwarf auch Berichte von Fischern vor den Malediven, die angeblich ein tieffliegendes Flugzeug gesichtet hatten. Die maledivischen Behörden hätten das dementiert, sagte er.

Nach Ansicht der malaysischen Ermittler dürfte die Boeing der Malaysia Airlines nach ihrem Verschwinden auf dem Weg nach Peking eine von zwei Routen geflogen sein: Der Nordkorridor reicht von Malaysia Richtung Nordwesten über das indisch-pakistanische Grenzgebiet bis nach Kasachstan. Der südliche Korridor gilt als wahrscheinlicher, er führt an Indonesien und Australien vorbei in den Indischen Ozean.

Längst ist die erfolglose Suche nach dem vermissten Passagierflugzeug zum Politikum geworden. Die chinesische Regierung kritisierte die ungenügende Ermittlungsarbeit der malaysischen Behörden aufs Schärfste und forderte mehr Transparenz. In Malaysia selbst geraten Regierung und Opposition aufgrund des miesen Krisenmanagements aneinander.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten regiert ein von der United Malays National Organisation (UMNO) angeführtes Parteibündnis das Land. In den vergangenen Jahren wurde der Aufstieg von Oppositionsparteien systematisch verhindert. Regierungsfreundliche Blogs weisen jetzt süffisant darauf hin, dass der Pilot der Boeing 777 Unterstützer von Oppositionsführer Anwar Ibrahim war. Damit soll der Politiker diskreditiert werden, der nach einem mutmaßlich politisch motivierten Schuldspruch wegen Korruption und Unzucht bereits sechs Jahre im Gefängnis saß.

Die britische Zeitung „Daily Mail“ hatte den Piloten Zaharie Ahmad Shah als „politischen Fanatiker“ bezeichnet und darin eine Verbindung zum ungeklärten Verschwinden des Flugzeugs gesehen. „Ich kann gar nicht sagen, wie empört ich über jene bin, die ohne jegliche Beweise die Schuld auf Pilot Zaharie schieben“, schrieb Oppositionsführer Ibrahim in seinem Blog. Der Politiker war nur einen Tag, bevor der Jet verschwand, erneut zu fünf Jahren Haft wegen Homosexualität verurteilt worden. Damit kann er nicht zu einer Nachwahl Ende des Monats antreten.

Keine gute Figur beim Krisenmanagement macht Verkehrs- und Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein (UMNO), der als Spross einer mächtigen Politikerdynastie und Sohn eines ehemaligen Regierungschefs nicht auf kritische Fragen von Journalisten eingestellt ist und schon mal barsch reagiert.

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