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Blauwale sparen Energie und Sauerstoff

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Baku, 6. Oktober, AZERTAC

Sie tauchen nur ab, wenn genug Krill unterwegs ist. Blauwale sparen Energie und Sauerstoff, bis sich die Anstrengung für die Futtersuche wirklich lohnt. Umso wichtiger ist, dass sie dabei nicht gestört werden.

Blauwale sind strategische Fresser. Sie tauchen nicht etwa wahllos mit offenem Maul in die Tiefe, um an Krill einzufangen, was gerade unterwegs ist. Ganz im Gegenteil: Sie passen ihre Nahrungsaufnahme der aktuellen Dichte des Zooplanktons an. Und sparen sich damit Energie und Sauerstoff auf, bis sich die Anstrengung für die Nahrungsaufnahme lohnt. Das berichten US-Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) im Fachmagazin „Science Advances“.

Die Wissenschaftler um Elliott Lee Hazen glichen die Fressgewohnheiten von 55 mit Sendern ausgestatteten Tieren mit der akustisch gemessenen Dichte an Krill ab. Diese winzigen Krebstiere im Zooplankton stehen auf dem Speiseplan der Giganten. Reiche Krill-Vorkommen sind häufig in einer Tiefe zwischen 50 und 300 Metern im Ozean zu finden, Blauwale müssen also nach ihnen tauchen.

Das Abtauchen ist für die Blauwale mit einem hohen Energieaufwand verbunden, der sich nur dann lohnt, wenn dort große Mengen der Krebstiere vorkommen. Die Grenze, für die die Riesen auf ihre bis zu 16 Minuten währenden Tauchgänge gingen, lag den Forschern zufolge bei mindestens 100 bis 200 Tierchen pro Kubikmeter Wasser. Waren es weniger, fraßen die Wale seltener und verbrauchten so auch weniger Sauerstoff, den sie an der Meeresoberfläche einatmen müssen.

Die Studie widerspricht der bisherigen Annahme, dass die Blauwale mehr oder weniger wahllos das Maul aufhalten und so langsam aber stetig ihren Bedarf über den Tag verteilt stillen. Um an den Krill zu gelangen, füllen die Tiere das Maul mit Meerwasser und drücken die Flüssigkeit mit der Zunge wieder heraus, wobei ihre Barten das Plankton herausfiltern. Autopsien zeigten, dass sich in ihrem Hauptmagen bis zu eine Tonne Krebschen ansammeln können. Um Krill-reiche Regionen zu finden, benutzen Wale vermutlich ihr Gedächtnis, soziale Hinweise oder ihre Sinne wie etwa Ultraschallortung.

Die neuen Erkenntnisse über die Ernährungsgewohnheiten von Blauwalen könnten helfen, die größten Tiere der Erde zu schützen. Werden sie nämlich bei der Nahrungsaufnahme, die offensichtlich weitaus selektiver und seltener erfolgt, als bisher gedacht, immer wieder gestört, kann das dramatische Folgen haben. Eine schottische Studie hatte 2013 bereits gezeigt, dass die Tiere empfindlich auf Sonar-Signale etwa von Militärschiffen reagieren: Sie unterbrechen ihre Futtersuche für durchschnittlich eine Stunde und lassen sich sogar aus reichhaltigen Beute-Gebieten vertreiben.

Blauwale sind die größten Säugetiere, die auf der Erde leben. Sie können eine Größe von mehr als 30 Metern und ein Gewicht von bis zu 190 Tonnen erreichen. Sie leben in allen Ozeanen der Erde und sind als Art als „stark gefährdet“ eingestuft.

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