GESELLSCHAFT


Boreout- Langeweile, die krank macht

Baku, 7. Januar, AZERTAC

Stress ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig - und wehe man hat keinen. „Wer nicht gestresst ist, ist scheinbar nicht wichtig“, schreiben die Autoren des Buches „Unterfordert. Diagnose Boreout - Wenn Langeweile krank macht.“ Philippe Rothlin und Peter R. Werder sind sich sicher: Stress gehört heute „einfach zum guten Ton“ und sei sogar „sozial erwünscht“. Deshalb werde er oftmals übertrieben dargestellt.

Zwar räumen sie ein, dass es sie natürlich gibt: „die gestressten Arbeitnehmer, die vom Unternehmen ausgequetscht werden wie eine Zitrone.“ Aber eben auch das Gegenteil. Ihre These: „Unzählige Arbeitnehmer sind keinesfalls im Stress, obwohl immer so viel davon geredet wird, sondern verfügen tatsächlich über „Freizeit“ bei der Arbeit.“ So hätten in einer Umfrage von Salary.com und AOL rund 33 Prozent von 10.000 Arbeitnehmern erklärt, sie hätten bei der Arbeit zu wenig zu tun, seien also unterfordert.

Und: Eine weitere Studie von Salary.com aus dem Jahr 2014 komme zu dem Ergebnis, dass 26 Prozent der Befragten zwei oder mehr Stunden pro Tag verschwenden. Die Gründe: „Langeweile und fehlende Anreize bei einem Drittel der Befragten.“ Für die Autoren ein weiteres Indiz für die um sich greifende Langeweile im Job: Internetseiten, die zu Spielen mit dem Bürostuhl anleiten, oder Tipps zur Überbrückung von langweiligen

Das Phänomen Boreout sei demnach weiter verbreitet als angenommen: Boreout - bestehend aus den englischen Wörtern „bore“ – Langweiler – und „out“ – außen - übersetzen die Autoren mit „Ausgelangweilt-Sein“, wobei ein Ende der Langeweile nicht in Sicht sei.

„Im Gegenteil: Die Langeweile wird dermaßen unerträglich, dass sich für den Betroffenen neue, viel schlimmere Dimensionen auftun.“ „Boreout“ bestehe im Wesentlichen aus drei Elementen: Neben der Langeweile gehören demnach Unterforderung und Desinteresse dazu. Um eins aber klar zu stellen: Boreout-Betroffene sind definitiv nicht faul. Umfragen hätten gezeigt, dass unterforderte Arbeitnehmer die unzufriedensten seien und gerne mehr leisten würden. „Doch entweder sind sie im falschen Beruf gelandet, oder ihr Unternehmen lässt sie genau dies nicht tun“, erklären Rothlin und Werder, die jeweils in der Finanzindustrie und im Gesundheitswesen arbeiten.

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