WIRTSCHAFT


Börsen in den USA und Japan

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Baku, 17. Dezember, AZERTAC

Monatelang hatte die US-Notenbank Fed die Zinserhöhung herausgezögert - nach der Entscheidung am Mittwochabend reagierte die Finanzwelt unbeeindruckt. Die Börsen in den USA und Japan legten zu, der Euro verlor an Wert.

Von den einen ersehnt, von den anderen gefürchtet - von allen aber erwartet. Die Entscheidung der US-Notenbank Fed, den Leitzins nach sieben Jahren wieder anzuheben hat niemanden überrascht. Entsprechend ruhig reagierte die Finanzwelt auf die Ankündigung von Fed-Chefin Janet Yellen, der Leitzins liege künftig innerhalb einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Der Dow-Jones-Index ging mit einem Aufschlag von 1,28 Prozent aus dem Handel. Nur in der ersten Reaktion war er kurz ins Minus gedreht. Auch in Asien legten die Börsen zu. Der japanische Nikkei-Index stieg im Handelsverlauf um fast zwei Prozent.

Der Euro geriet dagegen deutlich unter Druck. Im asiatischen Handel sackte der Wert der europäischen Gemeinschaftswährung bis auf 1,08 Dollar ab, nachdem er am Mittwochabend kurz nach der Fed-Entscheidung noch bis auf 1,10 Dollar geklettert war.

Besonders stark dürfte China von der Fed-Entscheidung betroffen sein. Das Handelsministerium teilte mit, dass es mit Auswirkungen auf den Handel rechne, es sei aber noch nicht abzusehen, wie stark der Effekt sei.

Die US-Notenbank hatte mit der Zinserhöhung auch aus Sorge vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft lange gezögert. Für viele chinesische Firmen wird die Zinswende in den USA wohl negative Folgen haben. Schätzungen zufolge halten die Unternehmen in der Volksrepublik rund ein Viertel ihrer Kredite in Dollar. Eine Aufwertung der US-Währung macht es für diese Unternehmen teurer, ihre Schulden zu bedienen.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn begrüßte die Zinserhöhung. "Das wurde aber auch wirklich Zeit. Durch die jahrelange Nullzinspolitik hat der Zins seine Kontrollfunktion verloren, mit der unterschieden wird zwischen rentablen und unrentablen Objekten", sagte Sinn. "Das ist volkswirtschaftlich schlecht, denn es verführt zu dem Irrtum, die Ressourcen seien unbegrenzt." Zu niedrige Zinsen führten auch zu Vermögensblasen, die später platzen und die Banken in Not bringen könnten.

Viele Analysten sehen den nächsten Zinsschritt der Fed erst in mehreren Monaten kommen. "Wir erwarten den nächsten Schritt nicht vor Mitte 2016", sagte Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. "Der kleine Zeh ist vom Gaspedal", sagte Frank Hübner, stellvertretender Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim.

Für die Geldpolitik in Europa werden von der US-Entscheidung keine unmittelbaren Konsequenzen erwartet. "Die erste Straffung der US-Leitzinsen seit dem Jahr 2006 markiert sicher einen historischen Wendepunkt, das allgemeine Zinsniveau wird sich dadurch aber kaum ändern", sagte der Chefvolkswirt des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Klaus Wiener.

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