WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Chemische Analyse belegt Planetenkollision

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Baku, den 7. Juni (AZERTAG). Der Mond wurde in einer gigantischen Kollision geboren - das vermuten Astronomen seit Langem. Doch die Crash-Theorie hatte einen Schwachpunkt. Nun liefern Gesteinsanalysen Gewissheit.

Der Mond ist vor rund 4,5 Milliarden Jahren durch einen kosmischen Zusammenstoß der jungen Erde mit einem etwa marsgroßen Himmelskörper entstanden. Das untermauert eine chemische Analyse von Mondgestein. Die Messungen deutscher Forscher belegen die Theorie. Nach ihr soll der Protoplanet Theia die Erde vor etwa vier Milliarden Jahren getroffen und zur Entstehung des heutigen Erdbegleiters geführt haben. Durch den Nachweis könnte sich ein oft angeführter Zweifel an der Crash-Theorie in Luft auflösen.

Als Schwachpunkt der Hypothese galt bisher, dass keine Unterschiede in der Isotopen-Zusammensetzung von Erde und Mond gefunden werden konnten. Solche Unterschiede in den Anteilen chemischer Elemente sollten aber vorhanden sein, wenn sich der Mond tatsächlich aus Materie von der Erde und des Protoplaneten Theia gebildet hat. Denn der Brocken muss eine andere chemische Mixtur besessen haben, als die frühe Erde. Mond und Erde sind chemisch jedoch verblüffend ähnlich. Bisherige Untersuchungen hatten kaum nennenswerte Unterschiede in den Isotopenverhältnissen von Sauerstoff, Silizium und Titan gezeigt.

Diesen fehlenden Nachweis erbrachten nun Forscher um Daniel Herwartz von der Universität Göttingen. Zusammen mit Kollegen der Universität Münster analysierten die Wissenschaftler Gesteinsproben, die Nasa-Astronauten von „Apollo“-Missionen zwischen 1969 und 1972 vom Mond mitgebracht hatten. Diese Proben sind nicht so verfälscht wie Mondmeteoriten, die auf der Erde aufgeschlagen sind.

Zwölf kleine Unterschiede auf eine Million Teile - Die Wissenschaftler setzten den Sauerstoff der Mondgesteine im Labor frei, reinigten ihn aufwendig und analysierten ihn in einem Gasmassenspektrometer. Die Analyse zeigte, dass das Sauerstoffisotop O-17 auf dem Mond ein klein wenig häufiger ist als auf der Erde. Die Differenz macht nur ungefähr zwölf Teile pro einer Million Teile aus.

„Die Unterschiede sind klein und schwierig nachzuweisen, aber sie sind da“, erklärt Herwartz in einer Mitteilung für die Goldschmidt-Konferenz für Geochemie in den USA, auf der die Analyse in einigen Tagen vorgestellt wird. „Das bedeutete zweierlei: Zum einen können wir nun ziemlich sicher sein, dass die große Kollision stattgefunden hat. Zum anderen liefert uns dies eine Vorstellung von Theias Geochemie.“

Der Himmelskörper ähnelte demnach in seiner chemischen Zusammensetzung vermutlich den sogenannten Chondriten, der häufigsten Gruppe von Meteoriten. Der neuen Analyse zufolge könnte der Mond nur etwa zur Hälfte aus Material von Theia und zur anderen Hälfte aus irdischem Material bestehen. Dies müsse aber erst noch bestätigt werden, betonte Herwartz.

 

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