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China, Vietnam und die Philippinen streiten um Inseln im Südchinesischen Meer

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Baku, den 24. Mai (AZERTAG). China, Vietnam und die Philippinen streiten um Inseln im Südchinesischen Meer. Peking untermauert seine Gebietsansprüche jetzt auf drastische Art - und lässt eine künstliche Insel anlegen.

Erst vor wenigen Tagen war es in Vietnam zu antichinesischen Krawallen gekommen, nachdem Peking eine Ölplattform vor der Küste Vietnams stationiert hatte. Mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt, Chinas Regierung ließ Tausende Landsleute aus Vietnam in Sicherheit bringen. Auslöser der Unruhen war, dass China eine Tiefseebohrplattform vor die Paracel-Inselgruppe verlegt hatte.

Jetzt stellt sich heraus, dass Peking nicht nur schwimmendes Gerät einsetzt, um seine Ansprüche zu betonen: Luft- und Satellitenbilder zeigen, dass China in den vergangenen Monaten mitten in der umstrittenen Spratly-Inselgruppe ein künstliches Eiland angelegt hat.

Entsprechende Fotos hatte die philippinische Regierung bereits vergangene Woche veröffentlicht. Sie sollten beweisen, dass die neue Insel auf dem südlichen Johnson-Riff schon Ende Februar existierte. Ob die Luftbilder als Beweis taugten, war allerdings unklar, da auch die Philippinen Ansprüche auf das Seegebiet erheben.

Jetzt aber gibt es offenbar eine unabhängige Bestätigung: Laut einem Bericht des Militär- und Sicherheits-Nachrichtendienstes „Jane's“ zeigen auch Satellitenbilder des Rüstungs- und Raumfahrtkonzerns Airbus Defence and Space die neue Insel im Südchinesischen Meer.

300.000 Quadratmeter große Insel - Das südliche Johnson-Riff ist unter diversen Namen bekannt. In den Philippinen wird es Mabini-Riff genannt, in China Chigua-Riff, in Vietnam Gac Ma. Der kleine Flecken mitten im Ozean war bereits Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen. 1998 starben Dutzende Vietnamesen, als China das Riff unter seine Kontrolle brachte und eine Betonplattform mit Funkausrüstung hinterließ. Doch die ist auf den Fotos nun von einer rund 300.000 Quadratmeter großen Sandfläche und weiteren Bauten umgeben. Sogar eine Landebahn scheinen die Chinesen angelegt zu haben.

Die philippinische Regierung warf Peking „destabilisierende Aktionen“ und eine Verletzung internationalen Rechts vor. China rechtfertigte laut „Jane's“ sein Vorgehen: Eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte die „unbestreitbare Souveränität“ ihres Landes über die Spratly-Inseln, in China Nansha-Inseln genannt, sowie das dazugehörige Chigua-Riff und die umliegenden Gewässer. „Alle Baumaßnahmen, die China am Chigua-Riff durchführt, fallen unter chinesische Hoheit.“

Marie Harf, Sprecherin des US-Außenministeriums, erklärte, dass Washington die Berichte über die künstliche Insel kenne. „Größere Erweiterungen oder die Militarisierung von umstrittenem Land im Südchinesischen Meer können die Spannungen verschärfen“, sagte Harf.

China und Vietnam streiten seit Jahrzehnten um Inseln im Südchinesischen Meer. China beansprucht für sich fast das gesamte Seegebiet, auf dessen Grund große Rohstoffvorkommen vermutet werden. Doch auch andere südostasiatische Länder, neben Vietnam vor allem die Philippinen, erheben Ansprüche. Bei dem Inselkonflikt geht es um verletzte nationale Gefühle, um Sicherheit von Schifffahrtstraßen - und um viel Geld. Wer die Paracel- und Spratly-Inseln beherrscht, kontrolliert die wichtige Passage zwischen westlichem Pazifik und Indischem Ozean.

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