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China arbeitet weiter an seinem Aufstieg zur militärischen Supermacht

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Baku, den 5. Februar (AZERTAG). Neue Flugzeugträger, Drohnen, Kampfflugzeuge - das militärische Gleichgewicht verlagert sich weiter nach Asien. In ihrem weltweiten Rüstungsreport beschreiben britische Forscher den Aufstieg von China, Japan und Indien. Für Europa zeichnen die Analysten ein alarmierendes Szenario.

Es ist eine weltweite Waffenschau auf mehr als 400 Seiten, die gebündelte Streitmacht der Welt in einem Papier. Am Mittwoch hat das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) in London seinen Jahresbericht über das weltweite militärische Gleichgewicht vorgelegt. Die Studie analysiert die militärische Stärke und Rüstungsindustrien von 171 Ländern weltweit.

In ihrem aktuellen Report zeigen die Forscher des IISS diese Trends auf:

Die Aufrüstung in Asien geht weiter. Dies ist auf die unruhige Sicherheitslage auf dem Kontinent und die wachsenden Spannungen zwischen den Militärmächten in der Region zurückzuführen. Besonders China arbeitet weiter an seinem Aufstieg zur militärischen Supermacht. Das Land hat bereits in den vergangenen Jahren kaum bei den Rüstungsausgaben gespart - auch 2013 war keine Ausnahme. Im Vergleich zu 2010 wurden 11,6 Prozent mehr Geld für Kriegsgerät ausgegeben - insgesamt 112,2 Milliarden US-Dollar. Dabei kauft China weniger Ausrüstung im Ausland zu, sondern bemüht sich laut IISS um einen rasanten Ausbau der eigenen Rüstungsschmieden. Vor allem die Flotte des Landes und die Luftstreitkräfte befinden sich im Ausbau. Der Westen und Russland hätten kein Monopol mehr auf hochtechnologisches Kriegsgerät wie Flugzeugträger, Drohnen oder Kampfflugzeuge, so das IISS.

Auch Indien rüstet auf. Das Land feierte den formalen Stapellauf der „Vikrant“, dem ersten Flugzeugträger Marke Eigenbau. Gleichzeitig nahm die indische Luftwaffe ihre neuen Kampfflugzeuge vom Typ Mig-29K in Betrieb. Auch hier sieht die Studie noch weiteres Ausbaupotential. 36,3 Milliarden US-Dollar betrugen die Ausgaben 2013.

Japan, das sich in einem Dauerdisput mit China um Inseln im Südchinesischen Meer befindet, rüstete vor allem bei der Luftwaffe auf. Neue F-35-Flugzeuge sollen die militärische Schlagkraft erhöhen. 51,0 Milliarden Dollar gab das Land 2013 für seine Streitkräfte aus.

Zudem weist das IISS darauf hin, dass der Einfluss der europäischen Rüstungsindustrie in Asien - traditionell nicht besonders groß - weiter zurückgehen dürfte. Firmen aus Russland und den USA teilen sich den asiatischen Markt auf, dazu kommt die einheimische Kriegsindustrie. „Europäische Staaten sollten versuchen, hier relevanter zu werden. Aber das dürfte nicht einfach werden“, so das IISS in der Einleitung zum Rüstungsbericht 2014.

Generell sieht der Bericht die Lage der europäischen Streitkräfte kritisch. Sparzwänge und die Folgen der Finanzkrise lassen überall in Europa die Rüstungsbudgets schrumpfen. Auch 2013 sanken die Gesamtausgaben für Kriegsgerät um 2,5 Prozent - ein Trend, der seit 2010 anhält. Gleichzeitig verlegen die USA den Fokus ihrer strategischen Planungen immer weiter in den Asien-Pazifik-Raum. Das IISS sieht die europäischen Staaten, in Zusammenarbeit mit der Nato, daher vor großen Herausforderungen - vor allem im Süden und Osten des Staatenbundes. Nur in enger Kooperation könnten diese Herausforderungen bewältigt werden, so der Report. Die bisherigen Versuche, Ressourcen zu bündeln, nennt das Papier „glanzlos“. Der französische Militäreinsatz in Mali habe gezeigt, dass der Staatenverbund durchaus in der Lage ist, hochspezialisierte Truppen effektiv und individuell einzusetzen. Es sei aber klar geworden, dass eine Nation allein mit einer solchen Mission überfordert ist. Dies habe sich etwa beim Lufttransport, der Luftbetankung von Flugzeugen und der Überwachung gezeigt. Nur in enger Kooperation könne Europa die neuen Herausforderungen meistern. In dem Report wird gewarnt: Werden weiter unkoordiniert Budgets zusammengestrichen, sei „die europäische Reaktionsfähigkeit auf zukünftige Krisen gefährdet“.

Die US-Streitkräfte sieht der IISS-Report wegen des nahenden Endes der Afghanistan-Mission an einem „strategischen Wendepunkt“, noch mehr als bisher wird der Pazifikraum in die Planungen einbezogen. Gleichzeitig stehen auch die US-Einheiten unter einem enormen Sparzwang. Gehen die Kürzungen weiter, so das Papier, könnte sich dies schon kurzfristig auf die strategischen Ziele des Landes auswirken. Trotz der Einsparungen leisten sich die USA mit 600,4 Milliarden Dollar mit gewaltigem Abstand vor China das weltweit größte Budget.

Im Nahen Osten gehen die Forscher des IISS besonders auf die Lage in Syrien ein. Der Dauerkonflikt und der Einsatz von chemischen Waffen durch das Regime von Machthaber Baschar al-Assad stelle die internationale Gemeinschaft noch immer vor große Probleme.

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