GESELLSCHAFT


China benötigt Raum für neue Städte

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Baku, den 7. Juni (AZERTAG). Weil der Platz für neue Städte in China knapp ist, lässt die Regierung Dutzende Bergkuppen abtragen. Mit dem Geröll werden Täler aufgefüllt, damit dort gebaut werden kann. Folgen für die Umwelt? Egal.

Die chinesische Regierung betreibt eine enorme Urbanisierungspolitik. Ganze Städte sollen aus dem Nichts entstehen. Vielerorts fehlt dafür der Platz. Daher werden Berggipfel in großem Stil abgetragen, um Täler aufzufüllen. Wissenschaftler sind entsetzt.

China benötigt Raum für neue Städte. Um ihn zu schaffen, hat die Regierung in den vergangenen zehn Jahren mancherorts Dutzende Bergkuppen in einer Höhe von etwa 150 Metern regelrecht abrasiert. Mit der abgetragenen Erdmasse wurden Täler aufgefüllt, um Zehntausende Quadratkilometer „Neuland“ zu schaffen.

Forscher der Chang'an Universität kritisieren, die Kosten und Folgen für die Umwelt würden von den Behörden außer Acht gelassen. Die Schaffung von Land durch das Abtrennen von Berggipfeln sei wie eine „Operation an der Erdkruste“, schrieben sie in einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Nature“.

Erdrutsche und Überschwemmungen wegen Erweiterung - Die Bilanz der Forscher ist erdrückend. Sie führen Wasserverschmutzung, Erosion, Erdrutsche, Überschwemmungen, zerstörtes Ackerland, vernichteten Lebensraum von Tieren und Pflanzen auf die Politik der Regierung zurück, mit der neue Städte entstehen sollen.

Die Regierung will mehr Menschen vom Land in urbane Zentren umsiedeln. Die erste Stadt, die dafür auf umgeschichteten Erdmassen erweitert wurde, war Shiyan in der Provinz Hubei 2007. Dadurch sei es dort zu Erdrutschen und Überschwemmungen gekommen, hieß es in dem Bericht. Außerdem seien die Werte des Trinkwassers schlechter geworden.

In der benachbarten Provinz Shaanxi will sich die Stadt Yan'an auf einen Schlag um 79 Quadratkilometer vergrößern. Dadurch würde die Stadt doppelt so groß wie bisher. Das Projekt wurde 2012 eingeleitet, seitdem fiel ihm bereits Ackerland im großen Stil zum Opfer. Das Land wurde mit Erde angereichert, die nicht die für die Bebauung notwendige Dichte haben dürfte und daher anfällig für Erdrutsche sein könnte.

Kostenvorteil infrage gestellt - Li Peiyue, einer der Autoren der Studie, sagte im Interview, der Bau von Städten habe sicherlich seinen Preis. Doch müsse die Regierung vor der Umsetzung heikler Projekte prüfen, ob diese technisch und geologisch möglich sind, sagte er.

Die Autoren stellen überdies den Kostenvorteil der massiven Umschichtung infrage. Das Projekt in Yan'an soll umgerechnet etwa zwölf Milliarden Euro kosten und zehn Jahre dauern. Die Autoren warnen jedoch, dass der Boden in den aufgefüllten Tälern erst nach zehn Jahren überhaupt stabil genug für eine Bebauung sein wird.

Zwar ist das Abschöpfen vor Berggipfeln in anderen Ländern wie den USA aus dem Bergbau bekannt und erprobt, doch wurde es nie in dem Ausmaß betrieben wie jetzt in China. Auch wurde der Abraum noch nie als Fundament für den Bau von Städten verwendet.

Jennifer Turner, Direktorin am China Environment Forum im Wilson Center in Washington, warnt, am Ende könnte China mit dem gewagten Vorgehen mehr Wüsten schaffen und Wasserknappheit hervorrufen. Neben all diesen Problemen frage sie sich, ob jemand auch mal daran gedacht habe zu prüfen, wie viel Energie für die Großprojekte verbraucht wird. Denn: Für den Bau von Städten werden Stahl und Zement benötigt. Dafür werden eine Menge Energie und Wasser gebraucht.

 

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