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China ersten Raumfrachter ins All geschossen

Baku, 21. April, AZERTAC

Es ist ein wichtiger Schritt für den Bau der geplanten chinesischen Raumstation. China hat seinen ersten Raumfrachter ins All geschossen. "Tianzhou 1" (Himmlisches Schiff) hob mit einer Rakete vom Typ "Langer Marsch 7" vom neuen Weltraumbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab.

Bei Chinas erstem unbemannten Nachschubflug soll "Tianzhou 1" drei Kopplungs-Manöver mit dem Raumlabor "Tiangong 2" (Himmelspalast) absolvieren, das gegenwärtig die Erde umkreist. Es ist erst der zweite Start der neuen Rakete, die im Juni 2016 erstmals getestet wurde.

Nur 24 Minuten nachdem die Rakete abgehoben hatte, verkündete das Kontrollzentrum, der Start sei erfolgreich verlaufen. Geht alles weiter nach Plan, wird der Raumfrachter Material liefern und Treibstoff nachfüllen.

Ehrgeizige Pläne - Die zweitgrößte Wirtschaftsnation hat ehrgeizige Pläne. Außer der Raumstation, die um das Jahr 2022 fertiggestellt werden soll, plant China auch Missionen zum Mond und zum Mars.

Sollte die Internationale Raumstation (ISS) wie geplant 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China dann die einzige Nation mit einem Außenposten im All. Mit 60 Tonnen wird "Tianhe 1" (Himmlische Harmonie) aber kleiner ausfallen als die ISS, die 240 Tonnen wiegt.

Aufholjagd - Während die USA und andere Länder ihre Raumfahrtprogramme kürzen, holt die junge Raumfahrtnation China auf. "China verstärkt den Druck auf die USA, die keinen langfristigen Plan für die bemannte Raumfahrt hat", sagte der australische Experte Morris Jones. Die Fortschritte der Chinesen böten auch neue Möglichkeiten für die Deutschen und andere Europäer, die mit Chinas Raumprogramm kooperieren.

So hatte das chinesische Raumschiff "Shenzhou 8" (Magisches Schiff) 2011 eine deutsche Versuchsanlage für biologische Experimente an Bord, um Auswirkungen der Schwerelosigkeit zu erforschen.

Der neue chinesische Raumfrachter ist 10,6 Meter lang und misst bis zu 3,35 Meter im Durchmesser. "Tianzhou 1" kann sechs Tonnen Ladung transportieren und ist insgesamt 13 Tonnen schwer. Er wird nach zwei Tagen an das Raumlabor andocken, in dem im Herbst zwei Astronauten den mit 33 Tagen bisher längsten Raumflug Chinas absolviert hatten.

Zwei Astronauten zur ISS gestartet - Am Vormittag westeuropäischer Zeit war bereits eine russische Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur zur ISS gestartet. An Bord waren die beiden Raumfahrer Fjodor Jurtschichin und Jack Fischer. Nach sechs Stunden Flug trafen sie am Nachmittag auf der ISS ein. Der Russe und der Amerikaner sollen fünf Monate auf der Raumstation arbeiten.

Erstmals seit 2003 waren diesmal nur zwei von drei Plätzen in der Sojus-Kapsel besetzt. Hintergrund ist eine Sparmaßnahme der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Der freie Platz in der Sojus konnte aber kurzfristig nicht mit einem ausländischen Raumfahrer besetzt werden, berichtete die Agentur Tass.

"Die Arbeit wird nicht weniger", sagte Jurtschichin mit Blick auf die vielen Experimente, die auf der Agenda der Raumfahrer stehen.

Fünf Monate im All - Für den Kommandeur Jurtschichin ist es bereits die fünfte Weltraummisson, während Fischer das erste Mal ins All startete. Auf der Raumstation treffen sie das Team um die Nasa-Astronautin Peggy Whitson. Während zwei Astronauten demnächst auf die Erde zurückkehren, bleibt Whitson noch drei Monate länger dort.

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