WIRTSCHAFT


China kassiert Wachstumsprognose

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Baku, den 13. Juli (AZERTAG). Für westliche Länder wäre es ein Traumwert, für China ist es eine deutliche Abkühlung. Die Regierung erwartet dieses Jahr nur noch ein Wachstum von sieben Prozent. Es wäre das erste Mal, dass sie ihr selbstgestecktes Ziel verfehlt.

Die chinesische Regierung hat ihre Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr nach unten korrigiert. Nachdem sie vor vier Monaten noch einen Zuwachs von 7,5 Prozent als Ziel ausgegeben hatte, sprach Finanzminister Lou Jiwei nun nur noch von 7 Prozent. Das habe der Minister nach Gesprächen mit US-Regierungsvertretern in Washington gesagt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag.

Am Montag sollen die Konjunkturzahlen für das erste Halbjahr bekanntgegeben werden. Der Minister kündigt an, dass sie leicht unter dem Wert von 7,7 Prozent für das erste Quartal liegen werden. Wenn das Wachstum im gesamten Jahr lediglich bei sieben Prozent liegen sollte, müsste es sich im zweiten Halbjahr deutlich abkühlen. Sollte das Plus im Gesamtjahr tatsächlich so gering ausfallen, wäre es das erste Mal, dass China das von der Regierung verordnete Wachstumsziel verfehlt.

Noch vor wenigen Jahren hätte die chinesische Regierung bei derart geringen Wachstumsraten mit Konjunkturpaketen die Wirtschaft in Schwung gebracht. Doch die Führung unter Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang nimmt nun auch geringere Zuwachsraten in Kauf. Sie will die Wirtschaft unabhängiger von Exporten machen und geht gegen den ausufernden Schattenbankensektor vor. Viele Unternehmen und Kommunen bedienen sich spezieller Kreditvehikel, die nicht in den Bilanzen der Banken aufgeführt sind. Dies gilt inzwischen als eines der größten Risiken für die chinesische Wirtschaft. Da die Regierung die Kredite in diesem Sektor drosselt, können die Firmen weniger investieren, was wiederum das Wachstum bremst.

„Trotz der sinkenden Wachstumsraten zahlen sich die Strukturreformen aus“, sagte Finanzminister Lou Jiwei. Schwächere Konjunkturdaten seien die notwendige Folge der wirtschaftlichen Reformen. Auch Regierungschef Li hatte vor wenigen Tagen sein Land auf geringere Wachstumszahlen eingestimmt. Die Wirtschaft entwickle sich „insgesamt stabil“, sagte er laut Xinhua am Dienstag. „Die wichtigsten Indikatoren bewegen sich noch immer in vernünftigen Grenzen.“ Die Lage sei allerdings schwieriger und wechselhafter als früher.

Zuletzt schon hatte das Wachstum spürbar an Fahrt verloren. So sanken die Exporte erstmals seit anderthalb Jahren. Dabei spielte neben der schwächeren internationalen Nachfrage aber auch eine Rolle, dass die Regierung in Peking verstärkt gegen gefälschte Rechnungen vorgeht, welche das Exportvolumen in diesem Jahr künstlich aufgebläht hatten.

Im vergangenen Jahr wuchs die chinesische Wirtschaft mit 7,8 Prozent. Es war der schwächste Anstieg seit 1999. Im Vergleich mit den Konjunkturdaten aus Europa sind diese Zahlen sehr hoch. Aber für ein Schwellenland wie China gelten sie als notwendig. Experten sehen gute Konjunkturdaten als entscheidenden Faktor, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

 

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