WIRTSCHAFT


China setzt Blasen-Branchen auf Geldentzug

A+ A

Baku, den 6. Juli (AZERTAG). Das Wachstum schwächelt, doch China setzt Teile seiner Wirtschaft auf Geldentzug. Branchen mit Überkapazitäten erhalten keine neuen Darlehen mehr. Die Gefahr von Kreditausfällen steigt trotzdem - denn die Kommunen des Landes sind möglicherweise höher verschuldet als bislang angenommen.

Chinas Zentralbank verschärft den Kampf gegen faule Kredite - ohne Rücksicht auf das schwächelnde Wachstum. Branchen mit Überkapazitäten sollen auf Geldentzug gesetzt werden. Firmen in diesen Bereichen erhielten keine neuen Darlehen, teilte die Zentralbank und die Finanzaufsicht mit. Allerdings würden Betriebe unterstützt, die Fabriken stilllegen und die Produktion aufgeben wollten.

Das Land halte an seiner umsichtigen Geldpolitik fest, hieß es in der Mitteilung weiter. China werde den Ausgleich finden, einerseits das Wachstum zu fördern und andererseits Reformen im Finanzsektor voranzutreiben. Die Regierung in Peking erklärte zudem, das Wachstum bewege sich immer noch in einem vernünftigen Rahmen.

Seit einigen Wochen steigt die Furcht vor einer Finanzkrise in China, seitdem die Zentralbank angekündigt hatte, das Wachstum nicht mehr weiter durch eine Flut billigen Geldes anzuheizen. Seitdem sind die Zinsen im Interbankengeschäft, in dem sich die Geldinstitute gegenseitig Geld leihen, zeitweise auf Rekordhöhen gestiegen. Die Banken Chinas stecken regelrecht in der Kreditklemme - auch wenn lokale Zensurbehörden Zeitungen und TV-Sender angewiesen haben, dieses Wort nicht zu verwenden.

Gleichzeitig wächst die Wirtschaft Chinas nur noch vergleichsweise schwach. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte 2012 um 7,8 Prozent zu, so wenig wie seit 13 Jahren nicht mehr. Für das laufende Jahr erwartet die Regierung einen weiteren Rückgang auf 7,5 Prozent. Mittlerweile sehen Experten jedoch auch dieses Ziel in Gefahr.

Schuldenberg der Kommunen könnte höher sein als gedacht -

Chinas Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre wurde maßgeblich durch eine üppige Geldversorgung befeuert. Laut Schätzungen der US-Bank Citigroup waren die chinesischen Unternehmen Ende 2012 bereits mit rund 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Nun steigt die Furcht vor einer Lawine von Kreditausfällen.

Doch nicht nur die Unternehmen Chinas sind hoch verschuldet - auch die Kommunen des Landes sind es (Analyse dazu hier). Sie könnten gar mehr Kredite aufgenommen haben als bislang angenommen. Die Regierung wisse nicht genau Bescheid, wie viele Schulden die örtlichen Verwaltungen angehäuft hätten, sagte Vizefinanzminister Zhu Guangyao. Seit 2010 seien keine neuen Zahlen veröffentlicht worden. Damals lag die Verschuldung der Kommunen bei umgerechnet rund 1,35 Billionen Euro.

„Wenn man sich die gegenwärtigen landesweiten Umfragen ansieht, denke ich, dass diese Zahl steigt“, sagte Zhu. Chinesische Haushaltsgesetze verbieten es den Kommunen eigentlich, direkt Kredite aufzunehmen. Die örtlichen Behörden bedienen sich daher spezieller Konstruktionen.

Die Schätzungen zur Verschuldung der Kommunen schwanken stark. Die Bank Standard Chartered rechnet mit einem Verschuldungsgrad von 15 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung, Credit Suisse geht von 36 Prozent aus. Die Rating-Agentur Fitch nannte im April eine Zahl von 25 Prozent. Damals stufte sie die Kreditwürdigkeit Chinas herab.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind