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Chinas Ärzte künstliches Ohr in Arm von Patient gepflanzt

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Baku, 10. November, AZERTAC

In China haben Ärzte aus einem Rippenknorpel ein neues Ohr geformt und einem Patienten in den Unterarm gepflanzt. Später soll die Struktur am Kopf des Mannes befestigt werden.

Bei einem Verkehrsunfall vor einem Jahr verlor Herr Ji sein rechtes Ohr, nun soll er ein neues bekommen. "Ich habe mich immer unvollständig gefühlt", sagte der Mann der chinesischem Nachrichtenseite "Huanqiu". Das neue Ohr entsteht derzeit im Unterarm des Patienten und soll später an dessen Kopf verpflanzt werden.

Guo Shuzhong, ein plastischer Chirurg aus Xi'an in der Provinz Shaanxi, weitete zunächst die Haut am Oberarm des Patienten. Durch die Dehnung bildete sich neues Gewebe, das die gleiche Farbe und Textur wie die umliegenden Strukturen hat. Anschließend entnahm er Knorpel aus den Rippen des Patienten und formte daraus das Gerüst des äußeren Ohrs. Zum Schluss implantierte er den Knorpel in den Oberarm.

Nun soll der Knorpel nach und nach von Haut umschlossen werden. Das wird mindestens vier Monate dauern. Zum Schluss will Shuzhong das Ohr dann an den Kopf des Patienten verpflanzen und an die Blutversorgung anschließen. Da das Ohr aus körpereigenem Gewebe des Patienten besteht, geht der Arzt davon aus, dass es keine Abstoßungsreaktionen geben wird.

Künstliches Ohr ist kein vollständiges Organ - Bei seinem Unfall erlitt Herr Ji, dessen vollständiger Name unbekannt ist, mehrere schwere Verletzungen und wurde seither mehrfach operiert. Unter anderem transplantierten ihm Ärzte Haut im Gesicht und seine Wangenknochen wurden wiederhergestellt. Die Ohrtransplantation soll der letzte große Eingriff werden. Anschließend hofft der Patient, wieder ein normales Leben führen zu können.

Ob Herr Ji auf dem rechten Ohr grundsätzlich noch in der Lage ist, etwas zu hören, ist nicht bekannt. Das wäre die Voraussetzung dafür, dass ihm das neu gezüchtete Ohr auch einen gesundheitlichen Nutzen bringt, weil es Schallwellen bündelt. Um ein voll funktionsfähiges Ohr handelt es sich bei der Konstruktion nämlich nicht - dazu fehlen wichtige Strukturen des Innenohrs und die Verbindung zum Gehirn.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ärzte aus Knorpel ein neues Ohr kreieren. So wendeten Forscher das Verfahren beispielsweise auch 2012 bei einer Amerikanerin an, die ihr Ohr durch ein Krebsleiden verloren hatte. Auch ihr wurde Knorpel aus dem Brustkorb entnommen und im Unterarm mit Haut versehen.

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