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Chinas Außenhandel geht seit Jahresanfang massiv zurück

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Peking, 14. Oktober, AZERTAC

Der chinesische Drache lahmt. Seit Jahresanfang geht der Außenhandel massiv zurück. Die Aussichten sind schlecht. Bremst sich Chinas Wachstum weiter ab?

Trotz der Abwertung der chinesischen Währung ist Chinas Außenhandel im September wieder stark um 8,8 Prozent eingebrochen. Als Zeichen für die lahmende Binnenkonjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft fielen die Importe den elften Monat in Folge - diesmal sogar um 17,7 Prozent im Vorjahresvergleich, wie die Zollverwaltung in Peking mitteilte.

Der Exportrückgang ist mit 1,1 Prozent langsamer als im Vormonat, zeigt aber unverändert sinkende globale Nachfrage nach Waren "Made in China". Experten sagen in China daher für dieses Jahr ein langsameres Wirtschaftswachstum voraus, worunter auch die deutsche Exportwirtschaft leiden werde.

Seit Jahresanfang sank Chinas Außenhandelsvolumen um 7,9 Prozent auf 17,87 Billionen Yuan (2,48 Billionen Euro). Der Handelsüberschuss machte in den neun Monaten mit 82,1 Prozent einen Sprung auf 2,61 Billionen Yuan (326 Milliarden Euro). Die Exporte fielen um 1,8 Prozent auf 10,24 Billionen Yuan, während die Einfuhren sogar um 15,1 Prozent auf 7,63 Billionen Yuan zurückgingen - ein Hinweis auf das abgebremste Wachstum und die schwächere Nachfrage nach Rohstoffen.

Nach sieben Prozent Wachstum in der ersten Jahreshälfte dürfte Chinas Wirtschaftsleistung im dritten Quartal laut einer Umfrage unter Ökonomen nur um 6,8 Prozent zugelegt haben, schrieb das „Wall Street Journal". „Die gesamte heimische Nachfrage bleibt im dritten Quartal schwach, was auf eine Verlangsamung des Wachstums hindeutet", schrieb auch die australische ANZ-Bank, die sogar nur 6,4 Prozent Zuwachs im dritten Quartal vorhersagt.

Die Regierung strebt im gesamten Jahr ein Wachstum von „rund sieben Prozent“ an - so wenig wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das Ziel gerät aber weiter in Gefahr, da Außenhandel, Industrieproduktion und Anlageinvestitionen nicht schnell genug zulegten. Die Wachstumszahlen für das dritte Quartal legt das Statistikamt am kommenden Montag vor. Im vergangenen Jahr war China noch um 7,4 Prozent gewachsen.

Als Reaktion auf die schlechten Handelszahlen Chinas notierte die Börse in Tokio deutlich schwächer. Nach einem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende gab der Nikkei-Index um 1,11 Prozent nach. Der breit gefasste Topix büßte 0,79 Prozent ein.

Der Rückgang der Ausfuhren fiel im September angesichts der Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan (Renminbi) niedriger als erwartet aus. Die Auswirkungen dürften im vierten Quartal noch stärker zu spüren sein, sagte die Zollverwaltung voraus. Während sich Chinas Ausfuhren in die USA im September um 6,7 Prozent erholten, lagen sie in die Europäische Union mit 0,2 Prozent im Minus. Nach Japan exportierte China sogar 4,6 Prozent weniger.

Chinas Wirtschaftswachstum dürfte im dritten Quartal auch einen Dämpfer bekommen haben, weil viele Fabriken wegen der Leichtathletik-Weltmeisterschaft und den Feiern mit der größten Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik am 3. September in Peking wochenlang schließen oder den Betrieb herunterfahren mussten, um die Luftqualität in der Hauptstadt zu verbessern.

Experten rechneten aber damit, dass Investitionen in die Infrastruktur in den kommenden Monaten wieder zulegen werden, weil die Regierung die Konjunktur ankurbeln will.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist zuversichtlich, was seine Erwartungen für das Wachstum von Chinas BIP angeht, das er für 2015 zwischen 6,5 und 7,5 Prozent prognostiziert. Dies geht aus dem aktuellen World Economic Outlook hervor, den die Organisation veröffentlicht hat.

Der Bericht besagt, die von China durchgeführten Fiskalmaßnahmen und seine Investitionen in Infrastruktur seien die Hauptgründe für das wirtschaftliche Wachstum in diesem Jahr.

Chinas wirtschaftliche Umgestaltung, der Rückgang der Rohstoffpreise und die bevorstehende Normalisierung der US-amerikanischen Geldmarktpolitik seien zur Zeit die drei Hauptkräfte, die die weltweite Wirtschaft beeinflussen, was 2015 zu einem weltweiten Wachstum von nur 3,1 Prozent führen werde, sagte Maurice Obstfeld, Wirtschaftsberater des IWF.

„China verlagert seinen Schwerpunkt weg von Exporten und öffentlichen Investitionen, hin zum Verbrauch, von Fertigung hin zu Dienstleistungen. Das ist langfristig gesund und notwendig ... es wird aber Auswirkungen auf den Rest der Welt haben, insbesondere auf Entwicklungsländer", fügte Obstfeld hinzu.

Die Unterstützung des IWF für Beijings Entscheidung wird als entscheidend angesehen. Es könnte die Entscheidung der internationalen Finanzorganisation im November beeinflussen, die chinesische Währung, den Yuan, in ihren Währungskorb besonderer Ziehungsrechte aufzunehmen.

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