WIRTSCHAFT


Chinas Exporte brechen überraschend ein

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Baku, den 10. Juli (AZERTAG). Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hat erhebliche Probleme. Im Juni sind Chinas Exporte um drei Prozent eingebrochen - statt wie erwartet zu wachsen. Auch die Einfuhren gingen zurück.

Chinas Wirtschaft überrascht derzeit beständig mit schlechten Nachrichten. Im Juni sind die Ausfuhren aus der zweitgrößen Volkswirtschaft der Welt um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Damit führte China nach Angaben der Zollbehörde Waren und Dienstleistungen im Wert von 174 Milliarden US-Dollar (135 Milliarden Euro) aus. Der Einbruch kam unerwartet, da Experten im Vorfeld einen deutlichen Anstieg der Exporte von drei bis vier Prozent erwartet hatten. Es war das erste Export-Minus Chinas seit Januar 2012.

Dass Chinas Exportzahlen so überraschend und so deutlich eingebrochen sind, hat mehrere Gründe. Den sicher wichtigsten nannte Zheng Yuesheng, Sprecher der chinesischen Zollbehörde, auf einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen gleich an erster Stelle: die „fortdauernd niedrige Auslandsnachfrage“. Mit anderen Worten: die schwache Konjunktur vor allem in Chinas Exportmarkt Europa. Tatsächlich fielen die Ausfuhren nach Europa um 8,3 Prozent, die in die USA dagegen nur um 5,4 Prozent.

An zweiter Stelle nannte Zheng die höheren Arbeitskosten, die akuten Handelskonflikte mit Europa und den USA sowie die gestiegenen Exportpreise. Damit sprach er den immer stärker werdenden Renminbi an, der im Westen lange als deutlich unterbewertet galt. Chinas Währung ist inzwischen so teuer, dass die Exporteure des Landes zunehmend mit einem Problem zu kämpfen haben, das zuletzt vor allem ihre Kollegen in Starkwährungsländern wie der Schweiz betraf.

Bislang verzerrte Hot Money die Statistik - Mit einem dritten Problem beschäftigen sich Ökonomen in Peking seit längerem, ohne dass der Westen davon bislang deutlich Notiz genommen hätte: Die Außenhandelsstatistik zeichnet ein verzerrteres Bild. China wird zunehmend mit sogenanntem Hot Money überschwemmt - Kapital, mit dem Ausländer von den relativ hohen Zinsen in China profitieren wollen. Da Peking den Ab- und Zufluss ausländischen Kapitals strikt reguliert, nutzen sie dafür die nach wie vor riesigen Umsätze von Chinas Export.

So stellen chinesische Unternehmen ihren ausländischen Geschäftspartnern überhöhte oder schlichtweg gefälschte Rechnungen aus und legen das Geld kurzfristig in China an, wo die Banken anders als in den USA oder Europa immer noch drei Prozent Zinsen zahlen. So strömt Geld für Investitionen nach China, gleichzeitig wird aber auch die Handelsstatistik künstlich aufgebläht. Chinas neue Regierung ist entschlossen, diese Spekulation einzudämmen, seit Mai geht sie strikt dagegen vor.

Dass die Bekämpfung des Hot Money auch die hohen Exportzahlen dämpft, scheint die Regierung billigend in Kauf zu nehmen: Li Keqiang, als Premierminister traditionell Chinas Chefökonom, gab sich vor der Veröffentlichung der Exportzahlen gestern sehr entspannt: „Chinas Wirtschaft ist in diesem Jahr bislang stabil, die wichtigsten Indikatoren liegen in einer vernünftigen Bandbreite und entsprechen unseren Erwartungen.“

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