WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Chinas neues Raumlabor im All

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Baku, 16. September, AZERTAC

Es ist zehn Meter lang und soll bald Besuch von zwei Raumfahrern bekommen. China hat ein neues Raumlabor ins All geschossen. Das Manöver gilt als Vorbereitung für den Bau einer eigenen Raumstation.

Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch 2F" hat das zweite chinesische Raumlabor "Tiangong 2" ins All gebracht. Der Start vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi im Nordwesten des Landes verlief normal, wie die Bodenkontrolle berichtete.

Erfolgreich breitete das Raumlabor wenige Minuten später seine Solarsegel im All aus. Der "Himmelspalast" soll in einer Umlaufbahn in 393 Kilometer Höhe positioniert werden.

Der Flug des 8,5 Tonnen schweren Raumlabors dient der Vorbereitung für den Bau und Betrieb einer eigenen chinesischen Raumstation, die um 2022 fertig werden soll. Sollte die Internationale Raumstation (ISS) tatsächlich 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China danach die einzige Nation mit einem permanenten Außenposten im All. Chinas Raumstation dürfte mit rund 60 Tonnen aber deutlich kleiner sein als die ISS mit ihren 240 Tonnen.

Atomuhr im All - In dem neuen chinesischen Raumlabor können sich zwei Raumfahrer aufhalten. Zudem hat "Tiangong 2" eine höhere Ladekapazität als das Vorgängermodell und lässt sich erstmals auftanken. Die Raumfahrer sollen es bequemer haben und sogar Fernsehprogramme von der Erde empfangen können. Es gibt auch einen zweiten Dockmechanismus und bessere Steuerungssysteme.

An Bord des neuen Raumlabors befindet sich die weltweit erste "kalte" Atomuhr im All (Cacs). Nach Angaben von Wissenschaftlern variiert eine solche Präzisionsuhr nur eine Sekunde alle 30 Millionen Jahre, wodurch sich Schwankungen bei Experimenten im All besser entdecken lassen.

Die Zeitmessung in der Schwerelosigkeit soll sogar akkurater sein als die der bisher präzisesten Atomuhr im US-Institute of Standards and Technology in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Auch Chinas Satellitennavigationsnetz Beidou soll genauer werden. "Es wird militärische und zivile Anwendungen geben", zitierte die "South China Morning Post" in Hongkong den beteiligten Wissenschaftler Xu Zhen.

Bemannter Flug - Für Oktober ist ein bemannter Raumflug mit zwei Raumfahrern geplant, die an das neue Raumlabor andocken und darin erstmals 30 Tage arbeiten sollen. Die Taikonauten sollen medizinische, biologische und physikalische Experimente machen sowie Ausrüstung und Reparaturen testen.

"Es ist die bisher höchste Zahl an Experimenten aller bemannter Flüge", sagte Vizedirektorin Wu Ping vom bemannten Raumfahrtprogramm laut Nachrichtenagentur Xinhua. Zur Sicherheit soll ein kleiner, 40 Kilogramm schwerer "Banxing-2"-Satellit das Raumlabor umkreisen. Er soll unter anderem Aufnahmen machen, aber auch vor Weltraumschrott warnen.

Einmal tanken, bitte - Im April 2017 soll das erste Frachtschiff "Tianzhou 1" (Himmlisches Schiff) folgen, um Material zu liefern und das Raumlabor aufzutanken. Es wird Chinas erster unbemannter, robotergesteuerter Nachschubflug. "Tianzhou 1" soll auf der neuen, leistungsfähigeren Rakete "Langer Marsch 7" ins All gebracht werden. Der neue Raketentyp hob im März erstmals erfolgreich vom Raumfahrtzentrum Wenchang in Hainan ab, womit der vierte Weltraumbahnhof in der Nähe des Äquators eingeweiht wurde.

"Tiangong 2" soll mindestens zwei Jahre in Betrieb bleiben. Es ist mit 10,4 Meter Länge und 3,35 Meter maximalem Durchmesser so groß wie sein Vorgänger, der im September 2011 gestartet worden war. Drei bemannte Raumschiffe hatten angedockt. An Bord lebten auch die beiden ersten chinesischen Raumfahrerinnen. "Tiangong 1" war nach offiziellen Angaben zweieinhalb Jahre länger im Einsatz als geplant.

Sturz in die Erdatmosphäre - Nach Angaben von Raumfahrtexperten verlor die Bodenkontrolle allerdings im März die Steuerung des Raumlabors, das sich seither unkontrolliert auf die Erde zubewegt. Vizedirektorin Wu Ping sagte lediglich, "Tiangong 1" habe seine "historische Mission vollständig erfüllt".

Das Raumlabor soll in der zweiten Hälfte 2017 in der Atmosphäre weitgehend verglühen. Es sei unwahrscheinlich, dass herabfallende Teile den Luftverkehr beeinträchtigen oder Schäden auf der Erde anrichteten, teilte das Raumfahrtprogramm mit. China werde rechtzeitig über den Kurs informieren.

Gerüchte über Fehlstart von "Langer Marsch 4C" - Der Start von "Tiangong 2" folgte nur zwei Wochen nach offiziell unbestätigten Berichten über einen Fehlschlag mit einer Rakete des Typs "Langer Marsch 4C". Dabei soll ein Beobachtungssatellit verloren gegangen sein.

Nach dem Start vom Raumzentrum Taiyuan in Nordchina konnte "Gaofen 10" demnach durch eine Raketenfehlfunktion nicht in seine Umlaufbahn gebracht werden und stürzte zur Erde zurück.

China verfolgt ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm, das auch den Mond und den Mars im Auge hat.

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