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Chinesischer Tourist zwei Wochen in einem Flüchtlingsheim verbracht

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Baku, 9. August, AZERTAC

Ein chinesischer Tourist hat zwei Wochen in einem Flüchtlingsheim verbracht - weil ihn niemand verstand. Eigentlich hatte er nur seine gestohlene Brieftasche melden wollen.

So eine Rucksackreise kann ganz schön abenteuerlich sein. Überall lauern Missverständnisse und Gefahren. In fremden Großstädten nicht in die falsche Bar einkehren, in den Bergen nicht vom Weg abkommen, im Dschungel nicht den Überblick verlieren. Einen besonders tückischen Dschungel hat ein chinesischer Tourist kennenlernen müssen - im westfälischen Dülmen.

Weil er statt einer Diebstahlanzeige aus Versehen einen Asylantrag unterzeichnete, steckte der 31-Jährige fast zwei Wochen lang in einem Flüchtlingsheim im Münsterland fest. "Er hatte eine Maschinerie in Gang gesetzt, aus der er erst mal gar nicht wieder rauskam", sagt Christoph Schlütermann, Kreisvorstand beim Deutschen Roten Kreuz, das das Heim in Dülmen betreibt.

Der Asylbewerber wider Willen war Anfang Juli mit einem Bus voller nicht registrierter Flüchtlinge aus Dortmund nach Dülmen gekommen - und schnell aufgefallen. "Er war so anders als die anderen. Sehr, sehr hilflos", sagte Schlütermann.

"Ich möchte im Ausland spazieren gehen" - Weil ihm sein Verhalten merkwürdig vorkam und der Mann auch höflich versucht habe, sich bemerkbar zu machen, nahm der Betreuer eine Übersetzungsapp zur Hilfe: "Da kamen dann Sätze raus wie: 'Ich möchte im Ausland spazieren gehen'." Es wurde nach und nach klarю Der Tourist aus einer Provinz in Nordchina wollte kein Asyl - er wollte nach Frankreich und Italien reisen. Stattdessen landete er im deutschen Bürokratie-Dschungel.

Hilfe kam vom örtlichen China-Restaurant. Ein Mitarbeiter der Gaststätte übersetzte, was der ausschließlich Mandarin sprechende Mann über seine Odyssee zu berichten hatte. So war ihm offenbar nach seiner Ankunft in Stuttgart die Geldbörse abhandengekommen. Statt an die Polizei geriet er wohl an eine Behörde in Heidelberg, die ihm den Asylantrag vorlegte.

"Da war wohl auch viel Obrigkeitsdenken dabei" - Daraufhin wurde er in die Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund gebracht, wo man ihm Reisepass und Visum abnahm und seine Fingerabdrücke erfasste. "Er war auf einmal in unserem System drin und wurde dann behandelt wie jeder andere Asylbewerber auch", bestätigte ein Sprecher der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg den Vorgang. Er sei untersucht worden, habe die Ankunftsdokumente bekommen und sei nach Dülmen gefahren worden. Zur Wehr gesetzt habe er sich nicht. "Da war wohl auch viel Obrigkeitsdenken dabei. Er hat einfach gemacht, was man ihm gesagt hat", sagte Schlütermann.

Zu rekonstruieren, was genau passiert war, dauerte zwölf Tage. "Meine Mitarbeiter haben tagelang verschiedene Konsulate angerufen - zuerst kannte ihn keiner", sagte Schlütermann. Erschwerend sei hinzugekommen, dass sein Visum bei der zuständigen Behörde falsch abgelegt und zunächst nicht auffindbar war. Erst als man ihm Ersatzdokumente besorgt habe, habe er seine Reise fortsetzen können.

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