GESELLSCHAFT


Chirurgen wollen mit Magenverkleinerungen fettleibigen Kindern helfen

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Baku, den 17. Oktober (AZERTAG). Diabetes, Fettleber und Nierenprobleme: Manche Jugendliche sind extrem übergewichtig und leiden an den Folgen. Sollten Chirurgen ihnen mit Magenverkleinerungen helfen? In den USA gilt jeder 20. Heranwachsende nach medizinischen Kriterien als schwer fettsüchtig. Viele wiegen mehr als das Doppelte dessen, was die Kinderärzte als Obergrenze für ihr Alter gelten lassen. 

Die Rede ist von der bariatrischen Chirurgie, also von Eingriffen, mit denen das Fassungsvermögen des Magens verringert und die Nahrung teilweise unter Umgehung einzelner Verwertungsstationen schneller in den Darm weitergeleitet wird. In den letzten Jahren wurde immer wieder darüber berichtet, dass diese Umbauten in der Architektur des Magen-Darm-Trakts nicht nur für ein verändertes Essverhalten mit der Folge einer drastischen Gewichtsabnahme sorgen. Nach den Eingriffen normalisiert sich zudem bei unzähligen Zuckerkranken (Diabetikern) der Stoffwechsel.

Kann, was Erwachsenen geholfen hat, nicht auch Heranwachsenden Entlastung bringen? „Warum nicht?“ überschrieb der Kinderchirurg Thomas Inge vom Kinderkrankenhaus Cincinnati einen Beitrag zum Thema in der Fachzeitschrift Medical Surgery. Beim VI. Kongress der Kinderchirurgen in Berlin sprach er zunächst über die frustrierenden Bemühungen zur Vorbeugung von kindlicher Fettsucht. Dass Stillen davor schütze, sei ein Mythos. Schulsport habe zwar viele positive Folgen, „doch Gewichtsabnahme gehört leider nicht dazu“. Kurz: „Die Maßnahmen, die wir anwenden und deren Erfolg wir uns sehnlich wünschen, versagen bei der Mehrheit der sehr dicken Kinder.“ Vor allem bei den über 14-Jährigen könnten sie durch ständige Demotivierung sogar mehr schaden als nützen, meint Inge. Als Arzt könne man trotzdem nicht tatenlos zusehen, wenn ein Kind im Schlaf keine Luft mehr bekomme, eine Fettleber, Nierenprobleme, Herz-Kreislauf-Leiden und vor allem Diabetes vom Typ 2 entwickle.

In Inges Augen spricht viel für den Versuch, diese sehr dicken Heranwachsenden zu operieren. Er legt dafür oft den bei Erwachsenen erprobten Magenbypass an. Dafür wird eine kleinere Magentasche direkt mit dem mittleren Dünndarm verbunden, der Zwölffingerdarm wird umgangen. Die Patienten fühlen sich einerseits schneller satt, verwerten andererseits die Nahrung auch schlechter. Sie müssen allerdings zeitlebens Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, um Vitaminmangel auszugleichen.

Eine Alternative ist die Verkleinerung des Magens, der Schlauchmagen. Eine dritte Möglichkeit, das (wieder entfernbare) Magenband, ist in den USA nur für Erwachsene zugelassen. Mit den beiden Verfahren Bypass und Schlauchmagen wurde der Körpermasse-Index (Body-Mass-Index, BMI, Gewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat) bei Jugendlichen schon um bis zu 38 Prozent gesenkt. Der BMI ist ein Maß für Normal- und Übergewicht.

In einer Studie mit operierten Jugendlichen ist Inge der Frage nachgegangen, warum das glückte. „Wir bringen die Jugendlichen nach dem Eingriff schließlich nicht auf eine einsame Insel, sondern schicken sie sofort in ihr gewohntes Umfeld, nach Hause!“ Dass die Operierten weniger essen, ist wohl nicht allein entscheidend. „Die Chirurgie ändert auch die Antwort des Körpers auf die Mahlzeit.“ Inge hält zudem für wichtig, dass sich bei seinen jungen Patienten die Vorlieben verändern: Die Jugendlichen stünden nicht mehr auf Nahrungsmittel mit hohem Fettanteil. Ein weiterer Faktor sei wahrscheinlich die dauerhafte Veränderung der Darmflora, über die unter Wissenschaftlern viel diskutiert wird.

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