WIRTSCHAFT


Coca-Cola-Horde zimmert aus den mitgebrachten Brettern einen improvisierten Christbaum

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Baku, 3. Dezember, AZERTAC 

Eintracht und Freude wollte Coca-Cola mit einem Weihnachtsspot nach Mexiko bringen. Doch stattdessen gibt es Prügel für den Konzern. Denn Kritiker sehen in dem Clip einen Angriff auf die Würde der Indigenen in Mexiko.

Mit Onlinewerbespots ist das so eine Sache. Die Clips können zum Selbstläufer werden, aber auch zum Fiasko. Denn auch wenn sie beim Publikum schlecht ankommen, werden die Filmchen blitzschnell verbreitet und sind letztlich nicht mehr einzufangen. Diese Erfahrung musste nun der Weltkonzern Coca-Cola machen.

Unter dem Kampagnenmotto "Öffne Dein Herz" sollte ein vorweihnachtlicher Spot in Mexiko die Gemüter der Menschen berühren. Das tat der Clip auch - allerdings ganz anders als von Coca-Cola erwünscht. Denn mehrere Gruppen werfen dem Konzern nun vor, die indigene Bevölkerung in Mexiko zu erniedrigen und noch dazu deren Gesundheit zu gefährden.

Was also passiert in dem Spot? Zunächst sind Menschen indigener Abstammung zu sehen. Dazu folgende Texteinblendung auf Spanisch: "81,6 Prozent der indigenen Bevölkerung Mexikos haben sich schon einmal ausgestoßen gefühlt, weil sie eine andere Sprache sprechen."

Dann startet fröhliche Musik, und eine Gruppe hellhäutiger, bestens gelaunter und gut aussehender junger Menschen sägt und hantiert in einer Werkstatt. Dazu die Einblendung: "Dieses Weihnachten wollte eine Gruppe Jugendlicher ihnen eine besondere Nachricht überbringen." Mit "ihnen" sind offenbar Indigene in Mexiko und ganz besonders das Volk der Mixe im Hochland des mexikanischen Bundesstaats Oaxaca gemeint. Denn die Hipster-Truppe fährt mit einem Pick-up los und passiert ein Ortsschild mit der Aufschrift "Totontepec", dazu die Einblendung "Mixe-Gemeinde, Oaxaca, Mexiko".

Im Ort angekommen springt das Gute-Laune-Kommando aus dem Auto und fällt mit einem Haufen Brettern und einer Kühlbox mit Cola-Flaschen in den Ort ein. Schließlich zimmert die Coca-Cola-Horde aus den mitgebrachten Brettern einen improvisierten Christbaum. Es wird fröhlich mit den Einheimischen abgeklatscht, viel gelacht und natürlich noch mehr Cola getrunken. Dann erscheint auf dem Bretterbaum in der Mixe-Sprache der Spruch: "Lasst uns vereint bleiben." Und dann noch die eingeblendete Aufforderung: "Brich auch Du mit einem Vorurteil und teile es mit über #ÖffneDeinHerz". Schließlich verspricht der Spot, dass als Belohnung für jeden Post unter #AbreTuCorazon ein Licht an einem virtuellen Coca-Cola-Baum entzündet wird.

Aber bei vielen Zuschauern zündete der Aufruf nicht. Der Konzern hat den Spot am Dienstagabend aus dem Netz genommen. Eine Woche zuvor etwa war er online gegangen. Doch das Internet vergisst nicht - auf YouTube ist der Clip noch über verschiedene Accounts zu finden.

Die Urteile reichen von "lächerlich" bis zu "rassistisch" - Verbraucherorganisationen werfen Coca-Cola vor, Menschenfreundlichkeit vorzugaukeln und in Wirklichkeit die Würde der Indigenen zu verletzen. Gesundheitsorganisationen forderten die mexikanische Regierung auf, den Spot zu verbieten. Denn der Clip trage auch dazu bei, den sowieso schon schlechten Gesundheitszustand vieler Menschen in indigenen Gemeinden zu verschlimmern. Hintergrund ist, dass in Mexikos Bevölkerung Übergewicht und Diabetes verbreitet sind - unter anderem, da in dem Land auch massenhaft Zuckerbrausen getrunken werden.

Eine Sprecherin der Werbespotgegner nannte den Clip "empörend". Dabei hatte Coca-Cola zuvor noch angekündigt, mit der Kampagne wolle man Vorurteile abbauen. Doch den Machern des Spots fehlte offenbar jegliches Gespür für ihre Zielgruppe. Auf Twitter reichen die Urteile über den Clip von "lächerlich" bis zu "rassistisch".

Der Konzern versuchte nun zu retten, was zu retten ist. Ein Sprecher entschuldigte sich. Man habe niemanden kränken wollen. Die Nachricht des Spots sei einfach falsch verstanden worden. Es gehe doch eigentlich um Eintracht und Freude über alle Grenzen hinweg.

Mehr Erfolg mit seinem aktuellen Weihnachtsspot hat übrigens der Handelskonzern Edeka. In dem Filmchen täuscht ein alter Mann seinen Tod vor, um seine Kinder und Enkel an Weihnachten zum Heimkommen zu bewegen. Der Spot ist mindestens so unrealistisch wie der Coca-Cola-Clip - aber er kommt sowohl bei Werbeprofis als auch im Netz gut an.

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