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Computer werden besser Auto fahren als Menschen

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Baku, den 2. November (AZERTAG). Sie fahren nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, sie lassen sich nicht ablenken, sie reagieren schneller. Eine US-Studie bestätigt, dass Computer als Autofahrer ein enormes Zukunftspotenzial haben.

Es klingt utopisch. Ein Computer steuert das Auto, während der einstige Fahrer isst oder mit seinem Laptop arbeitet. Aber selbstfahrende Autos werden bereits getestet. Eine neue Studie sieht in ihnen großes Zukunftspotenzial.

Selbstfahrende Autos und Lastwagen haben demnach das Potenzial, den Straßenverkehr zu revolutionieren. Es könnte deutlich weniger Verkehrstote geben, weniger Verstopfungen und wirtschaftliche Vorteile im Umfang von zig Milliarden Euro.

Aber wenn das so ist, warum sind dann die Robo-Auto nicht bereits auf breiter Front angerollt? Es gebe weiterhin bedeutende Hürden, heißt es dazu in der Studie des Eno Center for Transportation, einer US-Stiftung, die sich der Verbesserung des Verkehrswesens verschrieben hat.

Das größte Hindernis sind demnach wohl die Kosten. Die nötige Ausstattung – von Sensoren über Software und Computertechnik bis zu besonderen Anforderungen in Sachen Antrieb – mache derzeit umgerechnet mehr als 70.000 Euro pro Fahrzeug aus, besagt die Studie. Also viel zu teuer für die meisten Menschen. Aber: Eine Produktion auf breiter Front „verspricht, dass es erschwinglicher wird“, meinen die Autoren.

Autobauer haben das Potenzial längst erkannt - Viele Autobauer haben das Potenzial schon erkannt und ihre Forschung und Entwicklung vorangetrieben. General Motors und Nissan haben derzeit die Nase vorn, aber Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz, Toyota, Volkswagen und Volvo sind ihnen auf den Fersen und testen ebenfalls bereits fahrerlose Systeme. Googles selbstfahrende Autos haben mittlerweile mehr als 600.000 Kilometer auf öffentlichen Straßen in Kalifornien zurückgelegt.

Viele der nötigen Komponenten sind bereits auf dem Markt zu haben, besonders in Fahrzeugen der Luxusklasse. Es gibt automatische Geschwindigkeitsregler, die sich dem Verkehrsfluss anpassen. Systeme alarmieren den Fahrer, wenn er dabei ist, aus seiner Spur abzudriften, einige können sogar das Auto automatisch wieder auf Kurs bringen. Automatische Bremsvorrichtungen helfen, Auffahrunfälle zu vermeiden. Rückspiegel-Kameras machen das Einparken leichter, und es gibt sogar schon Autos, die es selbstständig erledigen.

90 Prozent aller Unfälle gehen auf Fahrer-Fehler zurück - Untersuchungen im Auftrag der US-Regierung deuten darauf hin, dass wahrscheinlich 90 Prozent aller Unfälle auf Fahrer-Fehler, also menschliches Versagen zurückzuführen sind. Bei mehr als 40 Prozent tödlicher Verkehrsunfälle sind Alkohol, Ablenkung, Einfluss durch Medikamente oder andere Drogen sowie Müdigkeit im Spiel.

Aber bei selbstfahrenden Autos gäbe es diese Faktoren nicht. Und damit, so die Studie, könnte es möglich sein, die Zahl tödlicher Unfälle um mindestens 40 Prozent zu reduzieren. Würden nur zehn Prozent aller Personenkraftwagen und Lastwagen auf der Straße automatisch pilotiert, könnte das die Zahl der Verkehrstoten bereits um 1000 pro Jahr verringern.

Wirtschaftliche und andere Einsparungen könnten sich auf umgerechnet fast 28 Milliarden Euro belaufen. Wären es 90 Prozent, könnten bis zu 21.700 Leben im Jahr verschont werden und die finanziellen Vorteile mehr als 320 Milliarden Euro ausmachen.

Autofahren verändert sich in Zukunft grundlegend – „Es wird viele Schritte erfordern, bis wir dieses Ziel erreichen“, sagt Joshua Schank, Präsident und Topmanager von Eno. „Aber das Gefühl ist da, dass sich früher oder später eine völlig neue Welt auftun kann, die unsere Perspektive vom Autofahren total verändert.“

Zum Beispiel könnte sich der Innenraum völlig anders gestalten als bisher – mit einstigen Fahrern, die an ihren Laptops arbeiten, essen, lesen, Filme anschauen oder mit Freunden telefonieren. Und Autos könnten auch so programmiert werden, dass sie Leute abholen, sie zu ihrem Ziel bringen und sich dann selbst parken: eine völlig neue Perspektive vor allem für Ältere und Behinderte mit eingeschränkter Mobilität.

Und finden sich auf einer Straße genügend selbstfahrende Autos, dann könnten sie eine Art gesteuerte Kolonne bilden – in engem, aber stets sicheren Abstand voneinander fahren, ohne benzinfressendes und nervenzerreibendes „Stop-and-Go“.

Sind die Kosten das Haupthemmnis, so gibt es noch eine Reihe anderer offener Fragen. Wer etwa haftet im Fall eines Unfalls, und wie können die Autocomputer vor Hackerangriffen geschützt werden?

Dennoch bereiten sich ersten US-Staaten bereits auf grünes Licht für computergesteuerte Autos vor. Florida und Nevada etwa haben Gesetze zur Regulierung von Lizenzen und Betrieb derartiger Fahrzeuge verabschiedet. Kalifornien will bis 2015 diesem Beispiel folgen.

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