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Demonstranten fordern Rücktritt von Malaysias Regierungschef

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Baku, 19. November, AZERTAC

Zehntausende demonstrieren in Malaysia gegen Ministerpräsident Najib Razak. Ein Skandal um verschwundene öffentliche Gelder bringt sie auf - in den auch Schauspieler Leonardo DiCaprio involviert ist.

Die Affäre um verschwundene öffentliche Gelder hat in Malaysia einen Proteststurm ausgelöst. Wegen eines seit Monaten schwelenden Korruptionsskandals haben zehntausende Demonstranten in Malaysia den Rücktritt von Ministerpräsident Najib Razak gefordert. Trotz der Festnahmen von Oppositionsführern wenige Stunden zuvor zogen sie am Samstag aus mehreren Richtungen ins Zentrum der Hauptstadt Kuala Lumpur - unter massivem Polizeiaufgebot.

Die Behörden hatten die Kundgebung der Demokratiebewegung Bersih - auf deutsch: sauber - ebenso wie eine Gegenveranstaltung von Regierungsanhängern verboten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aus Furcht vor Zusammenstößen beider Lager verschärft. Rund 7000 Polizisten waren laut einem Medienbericht im Einsatz. Die Polizei hatte Wasserwerfer und Tränengas in Position gebracht und die Demonstrationsteilnehmer gewarnt, jede Konfrontation zu vermeiden.

Der Chef der Bersih-Bewegung sowie weitere Regierungsgegner waren am Freitag verhaftet worden. Bersih wirft der Regierung Korruption vor und verlangt ihren Abgang. Ministerpräsident Najib bezeichnete die Demonstranten als "ein Werkzeug der Opposition". Unter dem Deckmantel einer unabhängigen Organisation versuche sie eine demokratisch gewählte Regierung abzusetzen.

Im Zentrum der Korruptionsaffäre steht der malaysische Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB). Er wurde 2009 von Najib gegründet, der bis vor kurzem auch noch Aufsichtsratschef war. Bei dem Fonds waren Milliardenbeträge verschwunden oder auf ausländische Bankkonten mit unbekannten Eigentümern abgeflossen. Millionenbeträge auf seinen persönlichen Konten erklärte Najib als Spenden aus Saudi-Arabien. Ankläger in Singapur, der Schweiz und den USA ermitteln.

Die Ermittlungen beschäftigen Behörden rund um den Globus. In mindestens sechs Ländern laufen Geldwäsche-Untersuchungen. Najib und der Fonds haben ein Fehlverhalten bestritten. Behörden ermitteln, ob die Organisation illegale Spenden aus dem Ausland erhielt.

Sogar Schauspieler Leonardo DiCaprio ist möglicherweise involviert: Die Filmfirma von Najibs Stiefsohn Riza Aziz produzierte und finanzierte DiCaprios Blockbuster "The Wolf of Wall Street". Das US-Justizministeriums ist sich sicher, dass ein Teil der Förderung aus dem Malaysischen Staatsfonds 1MDB stammte und illegal verwendet wurde. Deshalb entschlossen sich die USA, die neu anfallenden Lizenzgebühren des Films einzukassieren. Auch in DiCaprios Umweltstiftung soll unterschlagenes Geld geflossen sein. Der Schauspieler wollte die fragliche Summe zurückzahlen.

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