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Der Kampf gegen den Krebs kann nicht gewonnen werden

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Baku, den 25. Juni (AZERTAG). Schon die ersten Tierarten auf der Erde litten an Krebs. Trotz aller Forschung und viel Geld für die Forschung erliegt heute noch jeder zweite Betroffene seinem Krebsleiden. Der Kampf gegen den Krebs kann nach neuen Forschungsergebnissen nicht gewonnen werden. Dies ist das Fazit einer internationalen Studie. „Krebs ist so alt wie das vielzellige Leben auf der Erde und lässt sich wohl nie ganz ausrotten“, sagte der Molekular- und Evolutionsbiologe Thomas Bosch von der Kieler Christian-Albrechts-Universität, der maßgeblich an der Studie beteiligt war. Er forderte mehr Finanzmittel für die Grundlagenforschung, um Krebs wirksam zu bekämpfen.

Die Ursache für Tumorerkrankungen sind die sogenannten Krebsgene – und die sind den Forschungsergebnissen zufolge uralt. „Bei der Suche nach dem Ursprung der Krebsgene haben wir unerwarteter Weise herausgefunden, dass viele dieser Gene von den ersten Tierarten abstammen“, sagte der Co-Autor Tomislav Domazet-Lošo vom Ruđer Bošković Institut und der Katholischen Universität Zagreb (Kroatien). „Unsere Daten sagen, dass schon die ersten vielzelligen Tiere die meisten der Gene hatten, die beim Menschen Krebs auslösen können.“

Bislang fehlte der Beweis, dass diese ersten Tierarten tatsächlich an Tumoren gelitten haben. Erstmals konnte das internationale Forscherteam in mehreren Verfahren jetzt nachweisen, dass Stammzellen, die zur geschlechtlichen Differenzierung programmiert sind, sich massenhaft anhäufen können und dann nicht auf natürlichem Wege durch den sonst programmierten Zelltod entfernt werden. Ein bestimmtes Gen kann den Forschungen zufolge den notwendigen Zelltod verhindern und so auch beim Menschen Krebs auslösen.

Weiter konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Tumorzellen „invasiv“ sind. Das heißt: Werden Tumorzellen in einen gesunden Organismus eingebracht, können sie dort ein Tumorwachstum auslösen. „Auch die invasive Eigenschaft von Krebszellen ist stammesgeschichtlich uralt“, schließt Bosch aus den Forschungen. Er räumte ein, dass viele Krebsarten durch ungesundes Verhalten wie Rauchen oder andere Faktoren des heutigen gesellschaftlichen Lebens stark begünstigt werden. Krebs gibt es aber schon seit 560 Millionen Jahren, so der Wissenschaftler.

Bosch verwies weiter auf die Finanzmittel, die für den Feldzug gegen den Krebs weltweit eingesetzt werden. Allein die Ausgaben der USA für die Krebsforschung betrugen im Jahr 2012 über 500 Milliarden Dollar. Aus der weltweiten Forschung sind verbesserte Vorbeugungs-, Diagnose- und Behandlungsmethoden entstanden, die Erfolge verbuchen können. Trotzdem gebe es bei einigen Tumorerkrankungen nur langsame Fortschritte, betonte Bosch. Auch heute erliege immer noch jeder zweite Betroffene seinem Krebsleiden. Allein in Deutschland sterbe jeder Vierte an Krebs, Tendenz steigend (World Cancer Report 2014).

Diese Zahlen waren für das National Institute of Health in den USA Anlass, um ein Netzwerk ins Leben zu rufen. Die Initiative des Physical Science-Oncology Centers soll die Forschungszentren aus verschiedenen Fachdisziplinen aus dem Gebiet der Krebsforschung zusammenbringen. Auch in Deutschland müsse die Grundlagenforschung stärker gefördert werden, so Bosch.

Skeptisch sieht er nach den neuen Forschungsergebnissen den in den 70er-Jahren ausgerufenen „War on Cancer“, um den Krebs zu besiegen. „Unseren Feind von seiner Entstehung an zu kennen, ist der beste Weg, ihn zu bekämpfen und viele Schlachten zu gewinnen“, betonte der Kieler Professor.

Die Studie wurde im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

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