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Derzeit stehen sämtliche 48 kommerzielle Reaktoren in Japan still

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Baku, 22. April, AZERTAC 

Vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist Japan der Rückkehr zur Kernenergie einen Schritt näher gekommen. Ein Gericht wies am Mittwoch die Forderung von Bürgern zurück, ein Wiederanfahren zweier Reaktoren des Betreibers Kyushu Electric Power im Atomkraftwerk Sendai im Südwesten des Landes zu stoppen. Die Reaktoren sollen im Juli ans Netz gehen, gibt die Nachrichtenagentur AZERTAC unter Berufung auf Medienberichte bekannt.

Das Urteil ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der möglichst schnell die ersten nach der Atomkatastrophe abgeschalteten Meiler im Lande wieder in Betrieb sehen will. Die rechtskonservative Regierung setzt sich damit über den breiten Widerstand in der eigenen Bevölkerung hinweg. In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus.

Erlaubnis von Atomaufsichtsbehörde - Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Gericht das Wiederanfahren zweier Reaktoren im AKW Takahama in Westjapan unterbunden und damit Abe einen Stolperstein in den Weg gelegt. Das Bezirksgericht in Fukui verhängte eine einstweiligen Verfügung gegen das Vorhaben. Begründung: Die neuen Sicherheitsauflagen - laut der Regierung die „strengsten der Welt“ - seien „zu locker“. Das Gericht urteilte, die Sicherheit der Reaktoren könne nicht gewährleistet werden. Den neuen Sicherheitsstandards der japanischen Atomregulierungsbehörde mangele es an „Rationalität“, hieß es.

Das Gericht, das nun über die Zukunft der Reaktoren in Sendai entschieden hat, urteilte dagegen, die neuen Sicherheitsstandards seien angemessen, wie japanische Medien berichteten. Die Kläger, größtenteils Anwohner, prüfen nun, ob sie gegen das Urteil vorgehen wollen.

Zuvor hatte die Atomaufsichtsbehörde für beide Standorte, Sendai und Takahama, dem Wiederanfahren zugestimmt. Die Reaktoren in Sendai hätten genauso wie die beiden Reaktoren in Takahama die nach dem GAU in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt.

Derzeit stehen sämtliche 48 kommerzielle Reaktoren in Japan still. Sie gingen nach dem Super-Gau in Fukushima im März 2011 Schritt für Schritt vom Netz. Während in Japan inzwischen über die Rückkehr zur Atomenergie diskutiert wird, laufen die Aufräumarbeiten in Fukushima weiter. Mitte April wagte sich die Betreiberfirma Tepco erstmals mit einem Roboter in die Ruine und lieferte die ersten Bilder aus dem Inneren der Atomruine.

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