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Didi gegen Uber

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Baku, 30. Juli, AZERTAC

In keinem anderen Land der Welt wird derzeit so brutal um die Vorherrschaft bei Mitfahrdiensten gekämpft wie in China - ein Milliardenmarkt. Dieser Kampf ist auch ein Duell zweier junger chinesischer Frauen.

Es stehen sich gegenüber: Der chinesische Mitfahrdienst-Platzhirsch Didi Chuxing und der amerikanische Herausforderer Uber, dessen Gründer Travis Kalanick mehrmals im Jahr nach China reist, weil er diesen Markt zur Chefsache erklärt hat.

Didi gegen Uber. Es ist mehr als nur ein gnadenloser Kampf um Marktanteile auf dem größten Markt der Welt. Es ist auch ein Duell zweier junger chinesischer Frauen.

Und - das macht das alles noch glamouröser- es ist ein familieninterner Zwist zwischen zwei Cousinen: Jean Liu versus Liu Zhen. Jean Liu ist Präsidentin von Didi Chuxing. Die Tochter ihres Onkels, Liu Zhen, ist die ranghöchste Uber-Vertreterin in China.

Jean Liu (37) ist die Tochter von Liu Chuanzhi. Er gründete Mitte der Achtzigerjahre den Computerhersteller Legend, der sich später in Lenovo Chart zeigen umwidmete, die Hardware-Sparte von IBM Chart zeigen aufkaufte und heute als einer der erfolgreichsten chinesischen Global Player gilt. Tochter Jean hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich: Studium der Computerwissenschaften an der Peking University, Master in Harvard, dann 12 Jahre Goldman Sachs, seit 2015 Chefin von Didi Chuxing. Sie gilt als Workaholic, war bei den Goldmännern stolz auf ihre 120-Stunden-Woche.

Jean Liu (Didi Chuxing) gegen Liu Zhen (Uber): Beide haben aufgerüstet - Die etwas jüngere Rivalin Liu Zhen studierte erst Jura an der Renmin Universität in Peking, dann an der University of California in Berkeley. Zehn Jahre arbeitete sie als Anwältin im Silicon Valley, beriet dort vor allen Internet-Start-ups, unter anderem auch Uber. Seit Frühjahr 2015 ist sie für Uber Direktor der China Strategy mit Sitz in Peking. Einen China-CEO hat Uber nicht.

Beide Cousinen haben in den vergangenen Monaten mächtig aufgerüstet und Milliarden eingesammelt. Zu Didis Geldgebern gehören unter anderen Chinas Internetgiganten Alibaba und Tencent, die Staatsfonds CIC (China) und Temasek (Singapur). Und kürzlich steuerte Apple eine Milliarde bei. Hinter Uber stecken chinesische Konzerne wie China Life, Citic Securities, Guangzhou Auto und der Touristikkonzern HNA. Auch ein Teil der Saudi-Milliarden, die Uber kürzlich erhielt, fließt ins China-Geschäft.

Beide können die Milliarden gebrauchen, denn sie liefern sich in China einen brutalen, fast ruinösen Preiswettbewerb. Didi ist mit über 80 Prozent Marktführer in China. Aber Uber will um jeden Preis aufholen. Aber der Preis ist hoch. Uber verliert angeblich eine Milliarde Dollar im Jahr.

Aber - wer weiß - vielleicht gibt es bald einen lachenden Dritten: Das Unternehmen UCAR, das aufgrund seines guten Services immer mehr Marktanteile gewinnt. Dahinter steckt unter anderen Liu Chuanzhi, der Vater von Jean Liu und Onkel von Liu Zhen.

Eines ist damit klar: Wie immer das Rennen der Mitfahrdienste in China ausgehen wird, der Sieger kommt aus der Familie Liu.

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