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Die Nase des Mannes ist größer

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Baku, den 25. November (AZERTAG). Die Beschaffenheit der Nase ist nicht nur Schönheitssache: Je größer sie ist, desto mehr Sauerstoff und Wärme bekommt der Körper. Deshalb beginnen Unterschiede in der Länge auch erst ab der Pubertät.

An den Nasen erkennt man Männer. Diese schlichte Aussage haben Forscher der University of Iowa in der vergangenen Woche wissenschaftlich untermauert. Sie haben zwar keine besonders große Stichprobe untersucht – aber sich immerhin Zeit gelassen: Die Forscher um Nathan Holton haben 38 Dreijährige bis ins Alter von Mitte 20 untersucht. In regelmäßigen Abständen maßen sie bei den Versuchsteilnehmern die Größe verschiedener Körperteile, des gesamten Körpers und den Anteil der Muskelmasse.

Es zeigte sich: bis zum Alter von elf Jahren gab es keine Unterschiede zwischen den Nasen von Mädchen und Jungen. Dann aber setzte die Pubertät ein – und das wirkte sich auch auf Gewicht und Proportionen aus. Die Mädchen entwickelten weiblichere Formen und setzten dazu vergleichsweise viel Fett an. Die Jungen hingegen legten stark an Muskelmasse zu. Im Vergleich machte der Anteil der Muskelmasse an der gesamten Gewichtszunahme bei den Jungen 95 Prozent aus, bei den Mädchen waren es nur 85 Prozent.

In diesem Alter entwickelten sich auch die Nasen geschlechtsspezifisch, berichten die Forscher im „American Journal of Physical Anthropology“. Die der Jungen wuchsen besonders schnell und waren zum Schluss rund zehn Prozent größer als die der Mädchen. Die Forscher sehen darin einen klaren Zusammenhang mit der restlichen körperlichen Konstitution: Die Jungen bräuchten mehr Sauerstoff, um ihre Muskeln mit Energie zu versorgen.

Moderne Menschen brauchen wenig Sauerstoff - In der Pubertät steige nicht nur der Sauerstoffverbrauch der männlichen Jugendlichen überproportional, sondern auch der Grundumsatz und ihr Kalorienbedarf, begründen die Wissenschaftler. Möglicherweise lässt sich damit auch ein Rätsel unserer frühen Cousins, der Neandertaler erklären: Die hatten nachweislich deutlich größere Nasen als moderne Menschen. Sie hatten aber auch mehr Muskeln an ihren Körpern als der neben ihnen eher grazil wirkende Homo sapiens. „Weil unser Körper heute weniger Sauerstoff benötigt als der unserer Vorfahren, ist auch unsere Nase kleiner“, sagt Holton.

Neandertaler hatten eine recht große Nasenöffnung und große, breite Nasenwurzeln. Anthropologen haben diesen Umstand bereits ausführlich diskutiert. In Rekonstruktionen haben Neandertaler deshalb immer relativ fleischige große Nasen. Ein Zeugnis der evolutionären Anpassung, glauben Forscher. Denn Neandertaler lebten in Europa, als es dort langsam immer kühler wurde. Zu Ende der eiszeitlichen Kälteperiode könnte die optisch nicht so vorteilhafte Gestaltung der Nase zumindest praktisch von Vorteil gewesen sein.

Denn Luft, die durch eine fleischige, lange Nase eingeatmet wird, erwärmt sich stärker, als wenn sie nur durch ein zartes Näschen eingeatmet wird. Warme Luft ist in kalten Klimaten vorteilhaft, kühlt sie doch die Lunge und damit den Körper nicht so stark aus wie kalte. Ein weiteres Nasenplus der Menschenart mag auch gewesen sein, dass ihre Riechschleimhaut wahrscheinlich weiter vorne in der Nase lag.

Dadurch konnten sie Gerüche besser wahrnehmen – was für die Jagd von Tieren, aber auch als Warnung vor Gefahren vorteilhaft war. Vielleicht, argumentieren andere Anthropologen, ist die breite lange Nase aber auch nur eine einfache Folge der gröberen Gesichtsknochen gewesen. Wie auch immer: Die Neandertaler waren den modernen Menschen offensichtlich unterlegen. Ob trotz oder wegen der Nase, wird vorerst ungeklärt bleiben.

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