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Die Zahl der Menschen mit verengten Beinarterien ist binnen eines Jahrzehnts weltweit um fast ein Viertel gestiegen

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Baku, den 5. August (AZERTAG). Stehenbleiben, weil die Beine schmerzen: Die Zahl der Menschen mit verengten Beinarterien ist einer aktuellen Studie zufolge binnen eines Jahrzehnts weltweit um fast ein Viertel gestiegen. Die Forscher sprechen von einem globalen Problem - und fordern eine bessere Vorbeugung.

Der Klassiker ist, sich die Auslage in allen Schaufenstern anzusehen. Auf Spaziergängen werden Stöckchen und Steinchen umgedreht, jeder Hund wird gestreichelt, auf jeder Bank pausiert. Wer unter der Schaufensterkrankheit leidet, kann die Schmerzen in den Beinen nur ertragen, wenn er beim Gehen immer wieder Pausen einlegt. Die Beschwerden, die Ärzte auch Claudicatio intermittens nennen, treten immer dann auf, wenn Patienten unter der sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden. Die Arterien in den Beinen sind dabei so stark verengt, dass nicht genug Blut in die Füßen und Beinen gelangt - und das schmerzt.

Eine Metaanalyse aus dem Fachmagazin „The Lancet“ zeigt jetzt: Weltweit ist die Zahl der Patienten, die an schweren Durchblutungsstörungen in den Beinen leiden, binnen eines Jahrzehnts um fast ein Viertel gestiegen. Während im Jahr 2000 noch 164 Millionen Menschen an der pAVK litten, waren es 2010 schon 202 Millionen. Der Studie liegen über 100 Untersuchungen aus 34 Ländern zugrunde, denen zufolge sich die Krankheit vor allem bei Menschen mittleren Alters in Entwicklungsländern rapide ausgebreitet hat.

Sport und Bewegung: So halten Sie Ihren Körper gesund und fit Die Durchblutungsstörung - hervorgerufen durch verengte oder verstopfte Gefäße - ist deutlich mit dem Herzinfarktrisiko verknüpft. Wer eine pAVK hat, ist dreimal so stark Herzinfarktgefährdet wie Menschen ohne diese Krankheit. Risikofaktoren der pAVK sind vor allem Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und ein hoher Cholesterinspiegel - in Ländern wie Deutschland sind in erster Linie ältere Menschen betroffen. Der aktuellen Studie zufolge leben fast drei Viertel aller weltweit Betroffenen jedoch in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, vor allem in Südostasien und den westlichen Pazifikstaaten.

Die Autoren machen die höhere Lebenserwartung und die veränderten Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten der Menschen für die Entwicklung verantwortlich. „Es handelt sich um ein globales Problem des 21. Jahrhunderts“, sagt Erstautor Gerald Fowkes von der schottischen University of Edinburgh. „Der dramatische Anstieg ist schon jetzt eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen und bedeutet für die Betroffenen weniger Beweglichkeit, Verlust von Lebensqualität und das deutlich erhöhte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.“ Gesundheitsbehörden müssten sich dringend Gedanken machen, wie sie das Problem angesichts der alternden Weltbevölkerung in den Griff bekommen wollen.

 

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