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Diebe stehlen Lastwagen mit gefährlichem Atommaterial

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Baku, den 4. Dezember (AZERTAG). Ein Lastwagen mit radioaktivem Kobalt-60 ist nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt gestohlen worden. Er transportierte ein Gerät zur Krebstherapie von einem Krankenhaus in der nordmexikanischen Stadt Tijuana zu einem Zentrum für radioaktive Abfälle. Doch er kam nie an: Unbekannte überfielen den Transport in Tepojaco und machten sich mit ihrer Beute davon. Der Vorfall ereignete sich bereits am Montag, wurde aber erst jetzt bekannt.

Welche Menge an Kobalt-60 abhanden kam, wurde bisher nicht bekannt. Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Mittwoch in Wien mitteilte, ist das eigentlich für medizinische Zwecke gedachte Material „extrem gefährlich“, sollte der Schutzmantel beschädigt oder entfernt werden. Eigenen Angaben zufolge wurde die IAEA am Montag von der mexikanischen Behörde für Atomsicherheit über den Vorfall informiert. Zum Zeitpunkt des Diebstahls soll das radioaktive Material geschützt gewesen sein. Ungeschützt ist es aber für Menschen extrem gefährlich. Die mexikanischen Behörden suchten nach dem Material und hätten die Öffentlichkeit alarmiert.

Demnach kann das Material nicht für Atomwaffen verwendet werden. Allerdings könnte es theoretisch für eine sogenannte schmutzige Bombe eingesetzt werden, bei der radioaktives Material mit konventionellem Sprengstoff eingesetzt wird, um größere Gebiete zu verstrahlen. Experten warnen seit langem vor der Gefahr eines solchen Anschlags, da radioaktives Material oft nur schlecht gesichert in Krankenhäusern gelagert wird.

Böse Erinnerungen an Goiânia-Unfall - Der Vorfall weckt Erinnerungen an den Unfall, der sich im September 1987 im brasilianischen Goiânia ereignete - und der auf erschreckende Weise gezeigt hat, dass der Diebstahl radioaktiven Materials aus medizinischen Geräten selbst dann dramatische Folgen haben kann, wenn es keinen terroristischen Hintergrund gibt.

Diebe waren in Goiânia in eine Klinik eingebrochen und hatten ein Gerät zur medizinischen Strahlentherapie gestohlen, in dem sich radioaktives Cäsium-137 befand. Die Langfinger nahmen das Gerät auseinander und verkauften Teile davon. Im Verlauf mehrerer Tage kamen zahlreiche Personen mit dem strahlenden Material in Kontakt. Die Bilanz des Goiânia-Unfalls: Vier Menschen starben, 249 wurden verstrahlt, rund 112.000 medizinisch untersucht. Zudem wurden Dutzende Häuser kontaminiert, sieben mussten abgerissen und mehrere tausend Kubikmeter Erdreich abgetragen werden.

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