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Duft erkrankter Mäuse lockt Mücken an

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Baku, den 2. Juli (AZERTAG). Malariaparasiten können das Duftprofil ihres Wirts beeinflussen - zumindest wenn es sich um eine Maus handelt. Moskitos stehen auf diesen Duft, was die Ausbreitung der Krankheit erleichtert.

Der Körpergeruch verrät die Tropenkrankheit. Moskitos fliegen eher auf den Duft von malariainfizierten Mäusen als auf den Geruch von gesunden Nagern. Sehr attraktiv seien die kranken Mäuse dann, wenn ihr Blut besonders infektiös ist. Das berichten Insektenforscher in der Fachzeitschrift „Proceedings of he National Academy of Sciences“.

Nach Ansicht der Experten beeinflussen die einzelligen Malariaparasiten das Duftprofil ihres Wirts vermutlich, damit die Überträger-Mücken zur besten Zeit angelockt werden und sich die Malaria leichter ausbreiten kann. Diesen Effekt könnte es möglicherweise auch bei infizierten Menschen geben.

Das Team um Mark C. Mescher von der Pennsylvania State University hatte in einem Experiment Stechmückenweibchen in einen kleinen Windkanal gesetzt und dann beobachtet. Fliegen die Moskitos gegen den Luftzug hin zu einer der zwei Kammern am Anfang des Windkanals? Und stechen sie dort in ein Stück Stoff, die die Kammern vom Windkanal trennt?

In der einen Kammer saß eine gesunde Maus; in der anderen Kammer befand sich eine Maus, die absichtlich mit dem Erreger der Nagetier-Malaria, Plasmodium chabaudi, infiziert worden war. Diese Versuche wurden rund sechs Wochen lang fast täglich wiederholt. Das Ergebnis: Die Stechmücken fanden die kranken Mäuse attraktiver, und zwar besonders im Zeitraum 10 bis 20 Tage nach der Infektion.

Entscheidend sind Gametozyten - In einem anderem Experiment brachte das Team um Mescher nur bestimmte Luftproben in den Windkanal ein: In einer Kammer waren die Ausdünstungen von sechs Mäusen, die einen Tag vor der Infektion mit Malaria gesammelt worden waren; in der anderen Kammer waren die Ausdünstungen der selben Mäuse, die sie nach der Erkrankung abgesondert hatten. Auch hier wurden die Stechmücken vor allem von jenem Duft angelockt, den die Mäuse 13 bis 20 Tage nach der Malariainfektion verströmten.

In dieser Phase befanden sich besonders viele Gametozyten im Blut der Mäuse, stellten die Forscher mit Blutproben fest. Gametozyten sind eine wichtige Form des Malariaerregers. Wenn eine Stechmücke den infizierten Wirt sticht, Blut trinkt und dabei auch Gametozyten aufnimmt, dann kann die Malaria an andere übertragen werden. Ansonsten sterben die Gametozyten, und der Überlebenskreislauf der Parasiten wird unterbrochen.

Bereits eine Studie aus dem Jahr 2005 hatte gezeigt: Kenianische Kinder, die Malaria im Gametozyten-Stadium hatten, wurden öfter von Moskitos gestochen als Kinder, die in einem anderen Stadium krank waren oder gar keine Malaria hatten. Den Grund fand man damals nicht heraus - aber offenbar jetzt: Die Ausdünstungen des Körpers ändern sich im Laufe der Erkrankung. Mithilfe der Gas-Chromatografie haben die Forscher den Mäuse-Malaria-Duft untersucht und vier entscheidende Substanzen ausgemacht: 3-Methyl-Buttersäure, 2-Methyl-Buttersäure, Hexansäure und Tridecan.

Seit Jahren versuchen Experten der Malaria auf verschiedenen Wegen Herr zu werden, etwa durch Impfstoffe und wirksamere Medikamente. Ende Mai 2014 entdeckten Forscher bei Kindern in Afrika einen Antikörper, der Ansatzpunkt für einen Impfstoff werden könnte. Mitunter gehen Wissenschaftler im Kampf gegen Malaria auch ungewöhnliche Wege. So hatte ein Team beispielsweise den Geruchssinn bei Mücken so verändert, dass diese Menschen nicht mehr riechen konnten.

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