WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Eine Atombombe explodierte erstmals in New Mexiko

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Baku, 5. Juli, AZERTAC

Am 14. Juli explodierte in New Mexiko erstmals eine Atombombe. Allein anhand von Bodenproben haben Nuklear-Forensiker nun die Sprengkraft des Trinity-Test bestimmt - mit verblüffender Genauigkeit.

Die Detonation einer Atombombe lässt sich kaum verheimlichen. Oft liefern schon die von der Explosion ausgelösten seismischen Wellen klare Hinweise. Als endgültiger Beweis gilt der Nachweis von Radionukliden, die bei einem Atomtest entstehen und über die Luft tausende Kilometer weit transportiert werden.

Wie leistungsfähig Nuklear-Forensiker mittlerweile sind, zeigt eine Analyse des ersten Atombombentests der Menschheit, dem sogenannten Trinity-Test. Er fand am 16. Juli 1945 im US-Bundesstaat New Mexico statt - nur wenige Wochen später fielen die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Ein schwarzer Obelisk steht heute am Punkt der ersten Kernwaffenzündung, an dem noch immer eine geringe Reststrahlung vorhanden ist.

Allein anhand von Bodenproben aus der Explosionszone haben Forscher vom Los Alamos National Laboratory in den USA nun die Sprengkraft des Trinity-Tests ermittelt. Die Bombe hätte eine Sprengkraft von 22.100 Tonnen TNT-Äquivalent gehabt, schreiben Susan Hanson und ihre Kollegen im Fachjournal "Proceedings oft he Royal Academy of Sciences". Der Fehler der Berechnungen liege bei +/- 2700 Tonnen TNT.

Laut offiziellen Angaben zum Trinity-Test belief sich die Sprengkraft auf 21.000 Tonnen TNT-Äquivalent. Die neuen Berechnungen kommen diesem Wert sehr nahe. "Die Fähigkeit, das Auftreten und die Art eines Atomtests zu bestimmen, ist unerlässlich für die Überwachung moderner Atomverträge", schreiben die Forscher.

Verräterische Isotope - Neben der Aufzeichnung von Erdbebenwellen werde nach möglichen Spaltprodukten gesucht, die aber in vielen Fällen recht kurzlebig seien, bevor sie radioaktiv zerfallen. Deshalb konzentrierten sich die Forscher bei ihrer späten Analyse auf die stabilen Isotope Molybdän 95 und Molybdän 97, die allerdings nur in äußerst geringen Mengen vorliegen.

Über das Verhältnis der Molybdän-Isotope zueinander konnten die Wissenschaftler auf die Menge radioaktiver Zirkonium-Isotope rückschließen. Beide Isotope kommen in natürlichem Gestein in einem sehr genau bestimmten Verhältnis zum Isotop Molybdän 96 vor. Diese Isotopenverhältnisse dienten als Referenzwerte.

Das Team um Hanson untersuchte fünf Proben des künstlichen Glases Trinitit mit hochpräziser Massenspektrometrie. Der Trinitit entstand, als beim Trinity-Test die Hitze der Explosion den Sand am Boden zu einem grünlichen Glas schmolz.

In den fünf Proben fanden die Forscher erhöhte Werte von Molybdän 95 und Molybdän 97. Die Anteile der Werte, die über dem jeweiligen natürlichen Referenzwert liegen, entstammen nach Auffassung der Wissenschaftler aus der sogenannten Beta-Zerfallsreihe der kurzlebigen Isotope Zirkonium 95 und Zirkonium 97.

Da diese Zerfallsreihen zum Spektrum von Spaltprodukten des Plutoniums gehören, konnten Hanson und Kollegen die ursprüngliche spaltbare Menge der Trinity-Bombe errechnen. Dass sie mit ihren Messungen und Berechnungen der offiziellen Sprengkraft sehr nahe kamen, werten die Wissenschaftler als einen Beleg, dass ihr Verfahren funktioniert.

"Solche Technologien könnten die Fristen für die nukleare Kontrolle und Datenerfassung erweitern", schreiben die Forscher, "und damit die Bemühungen zur Überwachung und Überprüfung der Atomverträge für die absehbare Zukunft unterstützen."

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