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Eine Forschergruppe hat in Panama das Fossil einer Art Übergangsform zwischen Süß- und Salzwasserdelfin gefunden

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Baku, 3. September, AZERTAC

Vor 50 Millionen Jahren entwickelten sich die Nachfahren von Landsäugern zu Walen. Wie sie vom Salz- zurück ins Süßwasser kamen, konnten Forscher bisher nur mutmaßen. Ein neu entdecktes Delfinfossil verspricht Antworten.

Eine Forschergruppe um Nicholas Pyenson vom National Museum of Natural History in Washington hat in Panama das Fossil einer Art Übergangsform zwischen Süß- und Salzwasserdelfin gefunden.

Die im Fachjournal „PeerJ“ beschriebene neue Art lebte im ausgehenden Miozän vor rund sechs Millionen Jahren im Bereich einer Meerenge, die Panama damals noch von Westen nach Osten durchschnitt und den Atlantik mit dem Pazifik verband. Dieser Isthmus von Panama begann sich vor rund 13 Millionen Jahren zu schließen, als die südlichen mit den nördlichen Kontinentalplatten Amerikas kollidierten. Endgültig schloss sich die Landbrücke zwischen den Kontinenten aber erst vor 3,5 Millionen Jahren: Isthminia panamensis lebte also in einer flachen Meerenge.

Was Isthminia für die Forscher besonders interessant macht, ist dass er einerseits im Salzwasser lebte, anderseits aber heutigen Flussdelfinen körperlich sehr stark ähnelte.

Echte Süßwasserdelfine findet man heute noch im Amazonasgebiet, in den Brackwasserzonen der südamerikanischen Ostküste, in Indien und bis vor kurzem auch im chinesischen Fluss Jangtsekiang. Der chinesische Flussdelfin ist allerdings seit Jahren nicht mehr beobachtet worden und inzwischen wahrscheinlich ausgestorben. Körperlich ähneln sich alle diese rezenten Arten stark. Ihre Rückenfinnen sind klein, ihre seitlichen Flossen (Flipper) sehr breit, ihre Hälse beweglicher als bei Meeresdelfinen.

Ihr auffälligstes Merkmal sind jedoch ihre länglichen, sehr schmalen Schnauzen. Sie stellen eine Anpassung an eine Lebensweise in relativ flachen Gewässern mit niedriger Sichtweite dar, in denen Nahrung vornehmlich im Schlamm des Bodens zu finden ist - so wie in Flüssen oder in den Brackwasserzonen und Flussdeltas an den Küsten der Meere.

Die fossile Art Isthminia panamensis ähnelte heutigen Flussdelfinen offenbar stark. Dass es solche Arten irgendwann einmal gegeben haben musste, wurde seit langem vermutet.

Der Weg der Wale führte vor rund 50 Millionen Jahren vom Land zuerst ins Meer. Dort trennten sich vor rund 35 Millionen Jahre die Entwicklungslinien der Barten- und Zahnwale, zu denen auch die Delfine gehören. Die Entwicklungslinie der Flussdelfine nahm wahrscheinlich vor rund 20 Millionen Jahren ihren Anfang. Erst im vergangenen Jahr war mit Huaridelphis raimondii ein früher, rund 16 Millionen Jahre alter Verwandter heutiger Flussdelfine beschrieben worden. Isthminia füllt nun weitere Lücken der fossilen Beweiskette.

Die Art dokumentiert, dass wichtige körperliche Merkmale bereits ausgeprägt wurden, bevor die heutigen Flussdelfine den Weg zurück ins Süßwasser vollendet hatten. Die Forscher deuten Isthminia als engen Verwandten der heute in Südamerika lebenden Inia-Arten geoffrensis, boliviensis und araguaiaensis.

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