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Einige Menschenaffen rechnen mit Irrtum anderer

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Baku, 7. Oktober, AZERTAC

Sind nur Menschen in der Lage sich in andere hineinzuversetzen? Forscher haben erstmals Hinweise darauf entdeckt, dass auch einige Menschenaffen dazu fähig sind.

Ein Mensch im King-Kong-Kostüm versteckt sich hinter einem Heuhaufen. Ein anderer beobachtet in dabei. Der Beobachter verlässt daraufhin die Szene. King-Kong nutzt die Chance und versteckt sich hinter einem benachbarten Heuhaufen und läuft dann davon. Nun kommt der Beobachter zurück. Wo wird er nach King-Kong suchen?

Bereits Kinder im Alter von vier Jahren können vorhersagen, dass der Beobachter King-Kong hinter dem ersten Heuhaufen suchen wird, er hat schließlich nicht gesehen, wie dieser sein Versteck gewechselt hat und davonlief.

Im Fachmagazin"Science" berichtet ein internationales Forscherteam jetzt, dass auch einige Menschenaffen mit dem Irrtum anderer rechnen.

"Kein alleiniges Wesensmerkmal der Menschen" - Die Forscher zeigten 40 Menschenaffen, darunter Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans, die eingangs beschriebene Szene in einem Film und zeichneten dabei die Augenbewegungen der Tiere auf. Tatsächlich vermuteten die meisten der untersuchten Affen, dass der Beobachter im Film King-Kong hinter einem der Heuhaufen suchen würde: 30 visierten einen der beiden Heuhaufen an, obwohl die Tiere selbst gesehen hatten, dass King-Kong dort nicht mehr versteckt ist. 20 der Versuchsteilnehmer fixierten sogar zunächst das erste Versteck.

Für die Forscher bedeutet das: Menschenaffen können sich in andere hineinversetzen und deren Wissensstand berücksichtigen. Eine Fähigkeit, die sich "Theory of mind" nennt, und die in dem Verständnis gipfelt, dass andere sich irren können und deshalb falsch handeln (false-belief).

Christopher Krupenye vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat an der Studie mitgewirkt. Für ihn bedeuten die Studienergebnisse eine Wende: "Es ist das erste Mal, dass Tiere einen False-Belief-Test bestanden haben. Die Studie zeigt, dass diese Fähigkeit kein alleiniges Wesensmerkmal der Menschen ist."

Menschen können Irrtümer zuverlässiger vorhersagen - Die Forscher variierten die Testreihen, um sie zu überprüfen. So versteckte King-Kong in einer anderen Testreihe einen Stein und auch die Abfolge der Handlungen im Film änderte sich. Die Augenbewegungen der Affen passten sich erneut dem jeweiligen Geschehen an. Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschenaffen Falschannahmen vorhersagen können.

Die Forscher geben allerdings zu bedenken, dass es auch eine andere Erklärung für die Reaktion der Affen geben könnte. So könnten die Tiere glauben, der Beobachter im Film suche grundsätzlich nach Dingen, selbst wenn dieser wisse, dass sie nicht mehr da seien.

Bei früheren, komplexeren False-Belief-Aufgaben, die von den Primaten ein bestimmtes Verhalten, zum Beispiel eine richtige Entscheidung, abverlangten, versagten diese jedenfalls. Die Forscher nehmen daher an, dass die Menschenaffen im Vergleich zum Menschen ein unterentwickeltes Verständnis für Falschannahmen haben.

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