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Epilepsie erhöht Sterberisiko drastisch

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Baku, den 22. Juli (AZERTAG). Epilepsie kann die Lebenserwartung senken. Wie stark, zeigt eine Langzeitstudie mit rund 730.000 Schweden. Menschen mit Epilepsie sterben demnach mehr als zehnmal so häufig vor ihrem 56. Geburtstag. Schuld sind offenbar auch psychische Probleme.

Menschen mit Epilepsie haben ein drastisch erhöhtes Risiko für einen frühen Tod. Im Vergleich zur übrigen Bevölkerung ist bei ihnen die Wahrscheinlichkeit mehr als verzehnfacht, vor dem Alter von 56 Jahren zu sterben, wie eine britisch-schwedische Langzeitstudie zeigt. Besonders gefährdet sind demnach jene Menschen, die neben Epilepsie entweder eine psychische Erkrankung haben oder aber Alkohol oder andere Drogen konsumieren. Das schreiben Forscher um Seena Fazel von der Universität Oxford in der Zeitschrift „The Lancet“.

Weltweit haben etwa 70 Millionen Menschen regelmäßig epileptische Anfälle. Dass Epilepsie die Lebenserwartung senken kann, war bereits bekannt. Nun untersuchten Forscher aus Oxford und vom Karolinska-Institut in Stockholm Daten von rund 70.000 Menschen mit Epilepsie, die in Schweden zwischen 1954 und 2009 zur Welt kamen, bis zum Alter von 56 Jahren. Diese Informationen, im Mittel über eine Zeit von neun Jahren erhoben, verglichen sie mit denen von etwa 660.000 vergleichbaren anderen Schweden.

Neurologen und Psychiater gefordert - Im Studienzeitraum starben fast neun Prozent der Teilnehmer mit Epilepsie, aber nur 0,7 Prozent der Menschen aus der Vergleichsgruppe. In der Epilepsie-Gruppe waren Unfälle oder Suizid mit fast 16 Prozent die dritthäufigste Todesursache. Drei Viertel der davon Betroffenen hatten eine psychiatrische Diagnose erhalten wie etwa Depression oder Angststörung. Menschen mit Epilepsie und Drogenkonsumenten hatten - im Vergleich zu Teilnehmern ohne beide Faktoren - eine um das 22-fache erhöhte Gefahr für einen tödlichen Unfall.

Im Vergleich zu leiblichen Geschwistern hatten Menschen mit Epilepsie ein ähnlich stark erhöhtes Sterberisiko wie zur Durchschnittsbevölkerung. Dies werten die Forscher als Beleg dafür, dass Epilepsie ein unabhängiger Risikofaktor ist. Gerade jene Betroffenen, die zusätzlich noch psychische Probleme hätten, müssten dringend besser versorgt und unterstützt werden, fordert Fazel.

Der an der Studie beteiligte Psychiater Charles Newton bemängelt, dass Epilepsie in westlichen Ländern oft nur von Neurologen behandelt werde. Die Studie zeige, dass Psychiater und auch Suchtberatungen stärker in die Versorgung einbezogen werden müssten.

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