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Erster Homo sapiens in Afrika

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Baku, 22. September, AZERTAC

Von Afrika aus eroberte Homo sapiens die Welt. Wann und auf welchen Wegen unsere Vorfahren um die Welt zogen, haben mehrere Forscherteams im Detail untersucht.

Vielleicht waren ja Klimaveränderungen schuld an der großen Wanderung. So vermuten es jedenfalls Axel Timmermann und Tobias Friedrich von der University of Hawaii at Manoa in Honolulu im Fachmagazin "Nature". Demnach verursachten Veränderungen der Erdumlaufbahn in den vergangenen 125.000 Jahren Klimaschwankungen, die unter anderem die Höhe des Meeresspiegels stark schwanken ließen.

Klar ist: Irgendwann, vor einigen zehntausend Jahren zogen die unmittelbaren Vorfahren der modernen Menschen von Afrika aus um die Welt. Und gleich drei Genetiker-Teams liefern nun, ebenfalls in "Nature", dazu aktuelle Erkenntnisse zu den Wanderwegen. Grundlage dafür waren umfangreiche Genanalysen.

Nach der gegenwärtig am stärksten vertretenen Out-of-Africa-Hypothese breitete sich die Gattung Homo von Afrika aus über die Welt aus. Als erstes gelangte demnach Homo erectus vor etwa 1,9 Millionen Jahren nach Asien und Europa. Vermutlich entwickelte sich aus ihm in Europa der Neandertaler, in Afrika der Homo sapiens. Dieser moderne Mensch verließ dann vor 60.000 bis 70.000 Jahren den afrikanischen Kontinent und zog über die Erde.

Die anatomisch modernen Menschen vermischten sich zum Teil mit den einheimischen Menschenarten, die sie auf den Erdteilen antrafen, in Europa etwa mit dem Neandertaler. Letztlich aber starben die anderen Menschenarten innerhalb kurzer Zeit aus, so die gängige Hypothese. Alle heute lebenden Nicht-Afrikaner sind demnach die Nachfahren einer einzigen Auswanderer-Population.

Einer konkurrierenden Theorie zufolge verließen erste anatomisch moderne Menschen ihre Heimat Afrika schon vor gut 120.000 Jahren und besiedelten Südostasien und den australasiatischen Raum. Eurasien wurde anschließend von einer zweiten Auswanderer-Gruppe über den östlichen Mittelmeerraum besiedelt.

Welche der beiden Hypothesen die richtige ist, beantworten die vorgestellten Studien noch immer nicht - aber es gibt neue Details zu den Wanderungen.

Die Wissenschaftler um David Reich von der Harvard Medical School in Boston sequenzierten das Genom von 300 Individuen aus 142 Populationen - und zwar vor allem solche, die in vorhergehenden Untersuchungen nicht ausreichend berücksichtigt worden waren.

Reich und seine Mitarbeiter vermuten nachihrer Untersuchung, dass sich die Gruppe, auf die letztlich alle heute lebenden Menschen zurückzuführen sind, bereits vor 200.000 Jahren in Afrika aufzuspalten begann.

Ein Teil verließ den afrikanischen Kontinent und spaltete sich dann in eine ost- und eine westeurasische Gruppe. Die osteurasische besiedelte später den ostasiatischen und den australasiatischen Raum. Heutige Menschen in Australien und Papua Neuguinea wären dieser Theorie zufolge Nachfahren dieser Gruppe.

Faszinierende genetische Vielfalt unter Aborigines - Auch die Forscher um Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen sind nach ihrer Analyse der Ansicht, dass es nur eine Auswanderung von Homo sapiens aus Afrika gegeben habe. Sie hatten das Erbgut von insgesamt 83 Aborigines und 25 Papua analysiert. Ihrer Studie zufolge trennte sich diese Gruppe von der der Europäer und Asiaten vor etwa 58.000 Jahren.

Vor etwa 37.000 Jahren trennten sich dann die Entwicklungslinien der Aborigines und der Papua voneinander - lange vor der weiten räumlichen Trennung beider Populationen vor etwa 10.000 Jahren. Innerhalb des australischen Kontinents bildeten sich Subgruppen heraus, vermutlich, weil die entstehenden Wüsten natürliche Barrieren ausbildeten.

"Die genetische Vielfalt unter den australischen Aborigines ist erstaunlich. Vielleicht weil der Kontinent schon so lange besiedelt ist, finden wir, dass sich Gruppen aus den südwestlichen Wüstengebieten Australiens genetisch stärker von Gruppen des nordöstlichen Australiens unterscheiden als zum Beispiel Amerikas Ureinwohner und Menschen aus Sibirien - und das auf einem Kontinent", sagt Anna-Sapfo Malaspinas, ebenfalls von der Universität Kopenhagen.

Im Erbgut fand das Team zudem Spuren von ausgestorbenen Menschengruppen, etwa den Denisova-Menschen sowie einer bislang unbekannten Gruppe.

Obwohl diese beiden Untersuchungen Belege für eine einzige Auswanderung von Homo sapiens aus Afrika finden, schließen die Forscher auch mehrere Auswanderungswellen aus Afrika nicht völlig aus. Hinweise darauf fand etwa ein Team um Luca Pagani vom Estonian Biocentre in Tartu (Estland).

Diese Forscher zeigten in ihrer Untersuchung, dass etwa zwei Prozent des Erbguts von Menschen aus Papua Neuguinea Merkmale haben, die darauf hinweisen, dass ihre Vorfahren Afrika früher verlassen hatten als andere Eurasier.

Die verschiedenen Modelle seien nicht schwer miteinander zu vereinen, kommentieren Serena Tucci und Joshua Akey von der University of Washington in "Nature". Mehrere Auswanderungswellen seien denkbar, solange die Menschen keine oder nur wenige Spuren im Erbgut der heutigen Nicht-Afrikaner hinterlassen haben.

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