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Etwa zehn Prozent aller Tsunamis ereignen sich im Mittelmeer

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Baku, 31. August, AZERTAC

Mit 300 Kilometer pro Stunde raste die Flutwelle in Richtung Norden auf das Archipel zu. Als sie auf die Küste traf, türmten sich zwei Meter hohe Brecher auf. Sie zerstörten 200 Boote und mehrere Fischerhütten.

Wer eine solche Nachricht hört, denkt unweigerlich an weit entfernte Gestade, an den Indischen Ozean vielleicht, oder den Südpazifik. Doch das beschriebene Ereignis trat am 21. Mai 2003 ganz woanders auf: Vor Nordafrika bebte der Meeresgrund mit einer Stärke von 6,8, löste einen kleinen Tsunami aus, der die Baleareninseln Mallorca und Ibiza traf.

Flutwellen wie diese und noch größere sind im Mittelmeer zwar selten. Aber sie sind möglich. Etwa zehn Prozent aller Tsunamis weltweit ereignen sich zwischen Gibraltar und Haifa. Ein Drittel der mediterranen Tsunamis werden von Hangrutschungen am Meeresgrund verursacht, der Rest von Seebeben. Unaufhaltsam schiebt sich die Afrikanische Erdplatte mit einer Geschwindigkeit von sechs Millimetern pro Jahr nach Norden unter die Eurasische Platte. Wenn der Meeresboden unter diesen gewaltigen Kräften erzittert, bricht und sich ruckartig verschiebt, setzt er ein Hunderte oder sogar Tausende Meter dickes Wasserpaket über sich in Bewegung. Flutwellen bauen sich auf und rasen auf die Küsten des Mittelmeers zu, dorthin, wo rund 130 Millionen Menschen leben.

Am stärksten von solchen Wellenmonstern gefährdet ist das mittlere und das östliche Mittelmeer - vor allem die Küsten Süditaliens, Griechenlands und der Türkei. Dort liegen auch die Gebiete, die sich Achilleas Samaras von der Universität im italienischen Bologna und seine Kollegen für Tsunami-Simulationen ausgesucht haben. Eines liegt an der Südostküste Siziliens, das andere an der Südküste Kretas. Ihre Fragestellung: Was bewirkt eine Flutwelle, die von einem Seebeben der Stärke sieben vor der Küste ausgelöst wird?

Beben dieses Kalibers können Tsunamis auslösen, die nicht nur an sizilianischen oder kretischen Ufern große Schäden anrichten, sondern auch an viel weiter entfernten Küsten des Mittelmeerbeckens. Dafür gibt es ein historisches Beispiel: Die Flutwelle, die von dem schweren Seebeben vor Kreta im Jahr 365 vor Christus ausgelöst wurde, hat nicht nur auf der Insel selbst großen Schaden angerichtet, sondern auch im weit entfernten Italien und in Ägypten antike Küstenstädte zerstört. Allein in Alexandria starben 5000 Menschen.

Entscheidend für die Zerstörungskraft von Tsunamis ist nicht nur Ort und Stärke des auslösenden Seebebens, sondern insbesondere auch der Meeresgrund mit all seinen Unebenheiten, den die Wogen überrollen. „Wir wollen herausfinden, wie sich die Flutwellen vor allem im flachen Wasser vor den Küsten verändern, wie sie sich fortbewegen und schließlich das Land überschwemmen“, erklärt Samaras. Das wurden in den Modellierungen, die es von Tsunamis bisher gibt, kaum berücksichtigt.

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