GESELLSCHAFT


Etwa zwei Drittel aller Menschen tragen das Herpesvirus in sich

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Baku, 3. November, AZERTAC 

Etwa zwei Drittel aller Menschen tragen das Herpesvirus in sich, das typischerweise schmerzhafte Lippenbläschen verursacht. Die WHO sorgt sich aber um eine andere Erkrankung, die der Erreger auslöst: den Genitalherpes.

Auf der Liste der Themen, die für den Smalltalk im Fahrstuhl ausfallen, steht Herpes auf den oberen Plätzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schreckt das nicht ab, im Gegenteil: Sie hat erstmals die weltweite Verbreitung des Herpesvirus abgeschätzt, das typischerweise die schmerzenden Bläschen an der Lippe verursacht.

Weltweit tragen demnach etwa zwei Drittel (67 Prozent) aller Menschen unter 50 Jahren das Herpes-Simplex-Virus vom Typ 1 (HSV-1) in sich, schreiben die Forscher um Katharine Looker von der University of Bristol im Fachmagazin "Plos One". In absoluten Zahlen sind das 3,7 Milliarden Menschen.

Die Forscher fassten diverse Studien zusammen, in denen anhand von Antikörpertests ermittelt wurde, wie viele gesunde Erwachsene mit Herpes infiziert waren. Mit im Schnitt 87 Betroffenen unter 100 tragen die Menschen in Afrika das Virus besonders häufig in sich. In Amerika (Nord- und Süd) ist das Virus vergleichsweise selten, aber immer noch bei fast jedem Zweiten zu finden. Europa liegt mit 65 Betroffenen unter 100 nah am weltweiten Durchschnitt.

Sorgen machen müssen sich die meisten Menschen aufgrund der Ergebnisse aber nicht. Viele tragen das Herpesvirus seit ihrer Kindheit in sich, da es im normalen Umgang mit den Eltern leicht über den Speichel übertragen wird. Ein gesundes Immunsystem hält den Erreger in der Regel in Schach. Unter Stress kann er sich aber in Form schmerzhafter Bläschen am Mund bemerkbar machen.

Genitalherpes breitet sich in reichen Staaten aus - Die WHO beschäftigt vor allem eine andere Ausprägung der Herpesinfektion: "Die neue Studie zeigt, dass HSV-1 auch eine wichtige Ursache für Genitalherpes ist", schreibt die Organisation. Etwa 140 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren seien davon betroffen, die meisten von ihnen in Amerika, Europa und der Region im Westpazifik.

Dass sich der Genitalherpes vor allem in reichen Staaten ausbreite, erklärt die WHO damit, dass sich aufgrund hoher Hygienestandards und guter Lebensbedingungen weniger Menschen als Kinder mit dem Virus infizieren. Stattdessen werde es dann häufig im Teenageralter beim Oralverkehr übertragen.

HSV-1 ist zudem nicht das einzige Herpesvirus: Zu den HSV-1-Infizierten kommen etwa 417 Millionen Menschen zwischen 15 und 49, die das Herpes-Simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) in sich tragen, das fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr über die Schleimhäute übertragen wird. Insgesamt sind damit etwa eine halbe Milliarde Menschen zwischen 15 und 49 Jahren von einer der beiden Herpesinfektion im Genitalbereich betroffen.

"Zugang zu Bildung und Informationen zu beiden Herpestypen und ihrer sexuellen Übertragbarkeit ist wichtig, um die Gesundheit junger Menschen zu schützen, bevor sie sexuell aktiv werden", sagen Ärzte von der WHO.

Auf der Suche nach einer Impfung - Einmal mit einem der Herpesviren infiziert, bleibt der Erreger ein Leben lang im Körper. Zwar lassen sich die Symptome wie Bläschen und Geschwüre mit antiviralen Medikamenten unterdrücken, allerdings kehren die schmerzhaften Hautveränderungen häufig nach einiger Zeit wieder zurück. So kann Herpes zur psychischen Belastung und zum Problem in einer Beziehung werden.

Besonders problematisch ist die große Verbreitung der Viren für Menschen mit Immunschwäche, etwa Aids-Patienten. Eine HSV-2 Infektion kann für sie lebensbedrohlich werden. Und in seltenen Fällen verursacht HSV-1 bei Aidskranken eine Gehirnentzündung oder führt zu Erkrankungen der Augen.

Um die Erreger zurückzudrängen, unterstützt die WHO die Entwicklung einer Impfung und neuer antiviraler Medikamente. Noch steht die Forschung dazu aber am Anfang. Zwar hat eine Studie gezeigt, dass eine Impfung gegen Herpes grundsätzlich denkbar ist. Bislang kann der Stoff aber nur einen Teil der HSV-1-Infektionen verhindern.

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