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Experimente britischer Forscher

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Baku, den 3. August (AZERTAG). Im Meer gehören Seesterne zu den Räubern, die sogar über Korallenriffe herfallen. Nun haben Forscher einen Botenstoff entdeckt, der die gefräßigen Meeresbewohner in Schach halten könnte. Denn er kontrolliert ihr bizarres Fressverhalten.

Wie Seesterne Nahrung aufnehmen, klingt nicht appetitlich, ist aber praktisch. Sie stülpen ihren Magen beim Essen nach außen. Durch eine kleine Öffnung gelangt ihr Inneres so in die Außenwelt, sodass ein Teil der Verdauung außerhalb ihres Körpers stattfinden kann. In der Regel haben es die Meeresbewohner auf Muscheln abgesehen, schaffen es mit ihrer Technik aber auch, größere Tiere zu fressen.

Experimente britischer Forscher zeigen nun, dass das Umstülpen des Seestern-Magens sich durch Neuropeptide, Botenstoffe von Nervenzellen, steuern lässt. Die Biologen um Dean Semmens beschreiben ihre Ergebnisse im britischen Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“. Mit Hilfe der Neuropeptide konnten sie die Tiere veranlassen, ihren Magen nach außen zu stülpen - und schafften es zudem, den Prozess wieder umzukehren.

Die Wissenschaftler sammelten dafür an der britischen Küste Gemeine Seesterne (Asterias rubens) und testeten ihre Reaktion auf ein bestimmtes Neuropeptid. Eine Injektion führte dazu, dass die Meeresbewohner ihren Magen wie auf Kommando wieder einzogen.

Die Erkenntnis könnte dabei helfen, Seesterne von begehrten Meeresfrüchten fernzuhalten. „Die Seestern-Beutezüge haben wirtschaftliche Auswirkungen. Sie fressen unter anderem Muscheln“, erklärt Maurice Elphick, Neurowissenschaftler an der Queen Mary Universität in London. „Diese Entdeckung könnte zu chemischen Mitteln führen, die das Fressverhalten von Seestern kontrollierbar machen“, sagt der Forscher und Mitautor der Studie.

Auch das gefährdete Great Barrier Reef in Australien ließe sich zukünftig womöglich mit solchen Mitteln besser vor ansteigenden Seesternpopulationen schützen. Denn einige gefräßige Seesternarten bevorzugen ausgerechnet riffbildende Korallen als Nahrung.

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