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Fledermäuse stören gezielt die Echo-Ortung von Artgenossen

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Baku, 13. November, AZERTAG

Aaron Corcoran und William Conner von der Wake Forest University in Winston-Salem in Nord-Carolina (USA) hatten Mexikanische Bulldoggfledermäuse (Tadarida brasiliensis) in zwei Jagdrevieren in Arizona und Neu-Mexiko untersucht. Die Tiere stoßen bei der Jagds mitunter Ultraschallschreie aus, die nicht der Echo-Ortung ihrer Beute dienen.

In einem ersten Experiment lockten die Biologen Insekten und Fledermäuse durch ultraviolettes Licht an. Mit hochauflösenden Infrarotkameras filmten sie die Fledermäuse bei der Jagd. Zudem nahmen sie die Schreie mit empfindlichen Mikrofonen auf, die in zwei quadratischen Anordnungen zu je vier Mikrofonen aufgestellt waren. So erhielten die Forscher ein dreidimensionales Abbild der Jagdflüge.

Wenn Fledermäuse einer Beute nahe kommen, stoßen sie kurze Impulse aus, die immer schneller werden, bis die Tiere zuschnappen. In den Aufzeichnungen fanden die Wissenschaftler noch einen anderen Ruf, wenn ein Artgenosse einem der Jäger in die Quere kam.

Corcoran und Conner vermuteten, dass dieser Schrei die Echo-Ortung des Konkurrenten stören soll und bauten ein zweites Experiment auf: eine Straßenlaterne, eine Motte als Köder und direkt darunter einen Lautsprecher, aus dem verschiedene Geräusche drangen, darunter der Störschrei.

Die Forscher zählten nun, wie häufig die Fledermäuse unter verschiedenen akustischen Bedingungen die anvisierte Beute fingen. Ein gleichbleibender Ton in einer einzigen Frequenz veränderte den Jagderfolg nicht, Hintergrundgeräusche nur wenig.

Beim Störschrei kam es darauf an, wann er zu hören war: Ertönte er vor dem kurzen, schneller werdenden Jagdruf, verringerte sich der Jagderfolg um 25 Prozent. Ertönte er während des Jagdrufs, sank der Jagderfolg um fast 74 Prozent. Corcoran und Conner folgern daraus: Der Störlaut kann den Jagdruf so überlagern, dass die Fledermäuse das Echo ihrer Beute nicht mehr exakt verorten können und danebenschnappen.

Ein solches Verhalten sei bisher nicht dokumentiert worden, schreiben die Forscher. „Obwohl die Echo-Ortung es den Fledermäusen erlaubt, die dominanten nachtaktiven Jäger zu sein, macht sie sie anfällig für Störungen – eine Verwundbarkeit, von der nun bekannt ist, dass sie von Fledermaus-Konkurrenten ausgenutzt wird.“

Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten die Forscher jetzt im Wissenschaftsmagazin „Science“

 

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