WELT


Flüchtlingsdrama vor Küste Libyens

Baku, 24. Mai, AZERTAC

Bei einem Flüchtlingsdrama vor der Küste Libyens sind mindestens 30 Menschen ertrunken, unter ihnen auch mehrere Kinder. Nach Angaben der italienischen Küstenwache starben sie während einer Rettungsaktion rund 20 Seemeilen vor der Küste, nachdem ihr mit bis zu 700 Menschen völlig überladenes Boot in Seenot geraten war.

Die Besatzung des Schiffs "Phoenix" der maltesischen Hilfsorganisation Moas war dem Boot zu Hilfe gekommen und hatte damit begonnen, Schwimmwesten auszugeben, als rund 200 Flüchtlinge ins Wasser stürzten. Vermutlich hatten sie durch eine große Welle das Gleichgewicht verloren.

"Keine Szene aus einem Horrorfilm - eine Tragödie aus dem wirklichen Leben vor Europas Schwelle", schrieb Maos-Mitgründer Chris Catrambone auf Twitter. Er veröffentlichte Fotos von weißen Leichensäcken an Deck der "Phoenix" und berichtete: "Helfer versuchen verzweifelt, den verschlossenen Laderaum eines Holzboots aufzubrechen, in dem hunderte Migranten eingepfercht sind."

Catrambone zufolge fielen viele Kleinkinder über Bord. Mit Unterstützung eines Schiffs der italienischen Küstenwache und mehrerer Handelsschiffe konnten mehrere Flüchtlinge aus dem Wasser geborgen werden. Ein Armeeflugzeug warf Rettungsinseln ab, eine Hubschrauberbesatzung hielt Ausschau nach Überlebenden.

Flüchtlingsboot soll beschossen worden sein - Erst am Vortag hatten das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) über ein weiteres Bootsunglück vor der libyschen Küste berichtet, bei dem vergangene Woche vermutlich dutzende Menschen ums Leben kamen.

Die italienische Küstenwache koordinierte am Dienstag nach eigenen Angaben die Rettung von etwa 1500 Flüchtlingen. Jugend Rettet, eine deutsche Hilfsorganisation, berichtete, die Besatzung ihres Schiffes habe während einer Rettungsaktion beobachtet, wie von einem mutmaßlichen Schiff der libyschen Küstenwache aus auf ein Flüchtlingsboot geschossen wurde.

Allein in diesem Jahr starben nach Angaben der IOM mehr als 1250 Flüchtlinge bei dem Versuch, in meist untauglichen Booten von Afrika über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen.

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