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Forscher aus den USA Hinweise auf große Schmelzwasserseen unter der Schicht entdeckt

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Baku, 28. Januar, AZERTAG

Die dicken Eisschichten Grönlands bedecken etwa 1,8 Millionen Quadratkilometer der Insel – doch die Massen schwinden seit Jahren. Nun haben Forscher aus den USA Hinweise auf große Schmelzwasserseen unter der Schicht entdeckt, die sich binnen kurzer Zeit entleeren und wieder auffüllen. Das Phänomen fasziniert und alarmiert zugleich: Es sei ein weiterer Hinweis auf die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels, so die Schlussfolgerung.

Die Forscher mahnen, dass in den unterirdischen Wassermassen Wärme gespeichert ist, die Teile des Eisschildes aushöhlen und dafür sorgen könnte, dass der Gletscher noch schneller schmilzt. Auch könne das Wasser auf dem Felsbett unter den Gletschern den Eisfluss beschleunigen, wie sie in The Cryosphere und Nature schreiben.

Im Nordosten Grönlands beobachteten Michael Willis und sein Team von der Cornell University in Ithaca einen 75 Meter tiefen und 8,4 Quadratkilometer großen See, der sich zweimal innerhalb der vergangenen zwei Jahre leerte und füllte. Demnach ist Schmelzwasser von der Oberfläche des Eisschilds unter die Gletscheroberfläche geflossen. Immer wenn das geschah, gelangte jedoch mehr Wärme unter die Eisdecke, schreiben die Autoren in Nature. “Diese Wärme, die vom eingeschlossenen Schmelzwasser ausgeht, weicht das umgebende Eis auf, was zu einer Erhöhung des Eisflusses führen kann“, sagt Willis. 2011 hatte sich der See über unterirdische Abflusskanäle entleert und sich seitdem wieder um die Hälfte gefüllt, vermuten die Forscher.

Ian Howat von der Ohio State University in Columbus arbeitet mit seinem Team eigentlich an einer Karte des Eisschildes, die sie mit Satelliten- und Luftaufnahmen erstellen. Im Laufe des Projektes fanden sie im Südwesten der Insel einen 70 Meter tiefen und rund zwei Kilometer breiten Krater. In ihm hatten sich vermutlich über 40 Jahre etwa 25 Milliarden Liter Wasser angesammelt. Es sei aber im Herbst 2011 wahrscheinlich binnen weniger Wochen verschwunden, schreiben sie im Magazin The Cryosphere. Auch Howat sieht darin Hinweise auf fundamentale Veränderungen im Eisschild. Es sei geologisch bemerkenswert und zugleich katastrophal, dass das Wasser so schnell abfließe.

Derzeit untersuchen viele Wissenschaftler, wie sich das Schmelzwasser unter dem Schild bewegt. Sie hoffen, so herauszufinden, wie die Gletscher zum Meer fließen. Die Zahl der oberirdischen Seen auf Grönland hat in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zugenommen. Sollte auch ihr Wasser unter den Eisschild fließen, wären die Auswirkungen des Klimawandels in der Region noch gravierender als bislang angenommen.

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