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Forscher entdecken nördlichste Quelle der Welt

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Baku, den 25. Juni (AZERTAG). Überraschung in der kanadischen Arktis. Geologen haben die nördlichste Quelle der Welt entdeckt. Aus tiefgefrorenem Boden strömt Wasser. Die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel.

Auf der Insel Ellesmere im Norden Kanadas herrscht eisige Kälte. Gletscher zwängen sich durch eine karge Gebirgslandschaft. Die Lufttemperatur liegt durchschnittlich 20 Grad unter dem Gefrierpunkt, im Winter bei minus 50 Grad. Dennoch sprudelt dort ganzjährig Wasser aus einer Bergflanke, obwohl der Boden teils bis in 800 Meter Tiefe gefroren ist. Wie ist das möglich?

Ice River Spring, also Eisfluss-Quelle, nennen die Entdecker um Stephen Grasby von der University of Calgary die Stelle an einem 800 Meter hohen Berg. Es handele sich um die nördlichste Quelle der Welt. Aus ihr fließen in 300 Metern Höhe rund 520 Liter Wasser pro Sekunde, berichten die Forscher im Fachmagazin „Geology“. Sechs bis zwölf Grad Wassertemperatur haben sie gemessen, je nach Jahreszeit.

„Die Entdeckung stellt unser Verständnis auf die Probe“, schreiben die Geologen. In anderen Kälteregionen weiter südlich gab es immer Erklärungen für flüssiges Wasser: regelmäßig schmelzender Permafrost, oder Flüsse, die dem Grundwasser Bahnen schufen.

Quellen in der Arktis aber sind extrem selten; bislang waren lediglich schwach sprudelnde bekannt, aus denen weniger als zehn Liter Wasser pro Sekunde rannen.

Genau wie auf dem Mars - In Spitzbergen etwa scheint Magma tief unter der Erde Grundwasser zu wärmen. Liegt auch unter Ellesmere solch ein Hitzespender, fragten sich Grasby und seine Kollegen? Daten von Ölfirmen widerlegen die Theorie: Der Boden der Region erwärmt sich lediglich mit 23 Grad pro Kilometer Tiefe - und damit weniger stark als im weltweiten Durchschnitt.

Die chemische Analyse des Wassers brachte eine weitere Überraschung: Es stammt demnach von der Oberfläche - vielleicht von benachbarten Gletschern, meinen die Geologen. Diese ragten teilweise in kilometertiefe Felsspalten. Womöglich taue das Eis in der wärmeren Tiefe, sein Schmelzwasser fließe durch die Spalten, und die Strömung halte Wege im Permafrost offen.

Sicher ist immerhin, dass der Fluss der Ice River Spring an der Erdoberfläche Schluchten in den Boden gräbt. Sie erinnerten an Canyons auf dem Mars, schreiben die Forscher. Womöglich, meinen die Geologen, stammten die Spuren auf dem Nachbarplaneten ebenfalls aus solchen Eisquellen. Die Ellesmere-Insel scheint beinahe wie ein anderer Planet.

 

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