WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Forscher entdecken spezielle Veränderungen des Erbguts in Krebstumoren von Rauchern

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Baku, 4. November, AZERTAC

Forscher haben spezielle Veränderungen des Erbguts in Krebstumoren von Rauchern entdeckt. Dort kommen fünf Mutationsmuster besonders häufig vor, wie aus einer am Donnerstag im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten Untersuchung hervorgeht. Dazu hatten unter anderem Forscher des National Laboratory in Los Alamos (New Mexico, USA) und des Wellcome Trust Sanger Institute (Hinxton, England) zusammengearbeitet.

Die Zahl der Mutationen in der DNA hängt demnach von der Zahl der Zigaretten und dem Organ ab. Am stärksten ist die Lunge betroffen. Das Rauchen einer Packung Zigaretten am Tag verursacht pro Jahr im Schnitt 150 Mutationen in jeder Lungenzelle. „Bislang hatten wir eine Vielzahl epidemologischer Hinweise auf die Verbindung zwischen Rauchen und Krebs. Jetzt können wir die von Zigaretten verursachten molekularen Veränderungen in der DNA endlich überprüfen und quantifizieren“, sagte Erstautor Ludmil Alexandrow vom National Laboratory.

Neben der Lunge gibt es auch in anderen Organen Veränderungen. Im Kehlkopf etwa treten bei einer Schachtel Zigaretten täglich im Jahr im Schnitt zusätzlich 97 Mutationen pro Zelle auf, in der Rachenhöhle 39, im Mund 23. Auch Organe wie die Harnblase (18 Mutationen) und die Leber (6 Mutationen), die nicht direkt mit dem Tabakrauch in Berührung kommen, sind betroffen.

Die Heidelberger Krebsexpertin Martina Pötschke-Langer hält die Studie vor allem in ihrem Umfang für bedeutsam. „Diese Studie wird sicherlich für große Aufmerksamkeit sorgen“, sagte die ehemalige Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) der Deutschen Presse-Agentur.

Pötschke-Langer betonte die feine Unterscheidung der Forscher zwischen Organen, die unmittelbar und mittelbar von dem Tabakrauch berührt werden. „Selbst in der Harnblase und der Leber, also fernen Organen, gibt es Mutationen durch Tabakrauch.» Die Studie bestärke vorhandenes Wissen. „Aber die Anwendung des Wissens muss in der Politik und im Parlament folgen.“ Sie fordert Präventivmaßnahmen wie eine Erhöhung der Tabaksteuer, ein Werbeverbot für Tabakprodukte und mehr Nichtraucherschutz.

Die Forscher untersuchten mehr als 5000 Krebstumore und verglichen solche von Rauchern mit solchen von Menschen, die noch nie geraucht hatten. Dabei fanden sie im Erbgut von Rauchertumoren bestimmte molekulare Fingerabdrücke. Konkret identifizierten sie bei den 17 Krebsarten, deren Risiko durch Rauchen steigt, mehr als 20 Mutationsmuster. 5 davon brachten die Forscher mit Krebs von Rauchern in Zusammenhang.

Eine Variante, „Signatur 4“, tauchte hauptsächlich in jenen Organen auf, die direkt mit dem Tabakrauch in Verbindung kommen - etwa der Lunge oder dem Kehlkopf. Andere führten die Forscher auf die Aktivität eines bestimmten Enzyms zurück, von dem man weiß, dass es Mutationen auslöst. „Signatur 5“, deren Ursprung unklar ist, wurde bei allen durch Rauchen verursachten Krebstypen entdeckt.

Tabakrauch enthält der Studie zufolge mehr als 7000 Chemikalien, von denen über 70 krebserregend sind. Mindestens sechs Millionen Menschen sterben demnach jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Falls der aktuelle Trend sich fortsetze, würden der Weltgesundheitsorganisation zufolge bis Ende des Jahrhunderts mehr als eine Milliarde Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben.

Vollständig ist die Ursache des Krebsrisikos bei Rauchern noch immer nicht entschlüsselt. Vor allem bei jenen Organen, die nicht mit dem Rauch in Berührung kommen, bestehen Unklarheiten. „Unsere Forschung macht deutlich, dass der Weg, wie Rauchen Krebs verursacht, noch komplexer ist als gedacht“, sagte Mike Stratton vom Wellcome Trust Sanger Institute.

Bekannt ist, dass das Risiko für die meisten Krebsarten schon nach einigen Jahren Rauchverzichts deutlich sinkt. Nach einer Dekade hat der Ex-Raucher laut DKFZ nur noch ein halb so hohes Risiko für Lungenkrebs, wie wenn er weitergeraucht hätte. Bis das Niveau eines Nichtrauchers erreicht ist, dauere es aber zwanzig bis dreißig Jahre.

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