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Forscher entdeckten Alien-Gene im Bärtierchengenom

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Baku, 27. November, AZERTAC 

Bärtierchen haben echte Superkräfte. Sie überleben in der Gefriertruhe, im Kochtopf und im Weltall. Dafür könnten sogenannte Alien-Gene verantwortlich sein.

Zehn Jahre bei minus 80 Grad? Kein Problem für Bärtierchen. 20 Minuten nach dem Auftauen tapsen sie schon wieder umher. Sie sind die einzigen Tiere, die im Vakuum des Alls überleben können. Nun haben sie einen weiteren Rekord gebrochen, der erklären könnte, was sie zu solchen Überlebenskünstlern macht:

Bärtierchen tragen weit mehr fremde DNA in ihrem Genom als von jedem anderen Tier bekannt ist, berichten Bob Goldstein von der University of North Carolina und Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". 6000 sogenannte Alien-Gene entdeckten die Forscher im Bärtierchengenom. Damit stammt jedes sechste Gen (17,5 Prozent) aus einem anderen Lebewesen.

Laut Analyse steuert der Großteil der fremden Bärtierchengene normalerweise Bakterien. Ein Teil stammt außerdem aus Pflanzen, Pilzen oder Archaeen. "Wir hatten keine Ahnung, dass ein Tiergenom aus so viel Fremd-DNA bestehen könnte", sagt Goldstein. Als bisheriger Rekordhalter galt das Rädertierchen, das mit bis zu 0,5 Millimetern ähnlich groß ist, wie viele Bärtierchen. Allerdings besitzt es gerade mal halb so viel fremde DNA.

Übrigens: Auch der Mensch trägt offenbar Bakteriengene in sich, wie Forscher zuletzt im März 2015 bestätigten. Hier ist der Anteil allerdings deutlich geringer als beim Bärtierchen. Die meisten Tiere besitzen nicht mal ein Prozent Fremd-DNA.

Superkräfte durch fremde Gene? - Die Forscher um Goldstein gehen davon aus, dass Tiere wie das Bärtierchen, die zahlreiche Extremsituationen überleben können, besonders anfällig für horizontalen Gentransfer (HGT) sind. Von HGT ist immer dann die Rede, wenn DNA statt von Generation zu Generation zwischen Arten weitergeben wird.

In Stresssituationen, etwa wenn die Tiere austrocknen, könne ihre DNA in kleine Teile brechen, vermuten die Forscher. Bekommen die Zellen wieder Wasser, werde ihre Membran und der Zellkern kurzzeitig durchlässig für große Moleküle wie fremde DNA. Reparieren die Bärtierchen dann ihre zerbrochene DNA, bauen sie der Theorie zufolge auch fremde Informationen in ihr Erbgut ein.

"Bakteriengene könnten Extremsituationen eher überstehen als jene von Tieren", sagt Thomas Boothby, der in Goldsteins Labor forscht. So hätten die Lebewesen über Milliarden Jahre hinweg ganz unterschiedlichen Bedingungen auf der Erde standgehalten.

Die fremde DNA werde im Wesentlichen nach dem Zufallsprinzip ins Bärtierchenerbgut eingebaut. Langfristig erhalten bleibe aber nur die Erbinformation, die den Tieren das Überleben im All, in der Gefriertruhe oder im Kochtopf ermöglicht, so die Theorie der Forscher. Üblicherweise leben Bärtierchen übrigens im Süß- oder Salzwasser oder auch an Land im Moos.

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